Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2013 : Mariss Jansons erhält Musik-Nobelpreis

Zu seinem 70. Geburtstag erreicht ihn die Ehrung für sein Lebenswerk: Mariss Jansons erhält mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2013 den Nobelpreis der Musik.

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Foto: BR / Matthias Schrader
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Zu seinem 70. Geburtstag am Montag erreicht ihn die Ehrung für sein Lebenswerk: Mariss Jansons erhält mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2013 den Nobelpreis der Musik. Der lettische Maestro reiht sich mit der 250 000 Euro schweren Auszeichnung neben Preisträger wie Karajan, Bernstein und Abbado ein. Und doch überstrahlt er sie alle. Nicht, was den Kult um die eigene Person angeht. Für Jansons, den rastlosen Arbeiter, ist Qualität eine moralische Pflicht und Ehrlichkeit Ziel allen Taktierens.

Er wird in eine Welt des Krieges und der Musik hineingeboren: Am 14. Januar 1943 bringt ihn seine Mutter, eine jüdische Opernsängerin, versteckt in Riga zur Welt. Der Vater ist Dirigent und wird vom legendären Jewgeni Mrawinski als Assistent nach Leningrad geholt, 1956 folgt ihm die Familie nach. Für den jungen Mariss, der kaum ein Wort Russisch spricht, beginnt bald die harte Schule des Konservatoriums. Schon als Kind hatte er ein Orchester aus Knöpfen dirigiert, nun muss er sich beweisen. Jansons entwickelt seine Arbeitsethik, die ihm körperlich und geistig alles abverlangt. Musik ist ihm Nahrung für Seele und Herz. Gerne zitiert er Beethoven: „Zuerst muss man fühlen, dann lieben – und dann verstehen.“

Als Student beim Dirigentenformer Hans Swarowsky in Wien atmet er tief durch, assistiert bei Karajan – und kehrt dann zurück nach Leningrad, wo er, wie zuvor der Vater, neben Mrawinski wirkt. Erst 1979 bietet sich ihm die Chance auf einen Chefposten außerhalb der Sowjetunion. Das provinzielle Sinfonieorchester von Oslo wird er in den kommenden Jahren aufbauen, eine Arbeit, die vereint, was Jansons ausmacht: Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein – und Begeisterung. In Oslo kommt es auch zur schwersten Krise seines Lebens: Jansons bricht am Pult zusammen, immer weiter den Takt schlagend. Der schwere Infarkt zwingt ihn zu einer Pause. Und dazu, seinen Wirkungskreis zu überdenken.

Leicht fällt ihm das nicht, denn längst reißen sich die Spitzenorchester um diesen Dirigenten, der sein Metier absolut beherrscht und zugleich niemals stillsteht. 2003 übernimmt er das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, 2004 das Concertgebouworkest. Kritikern dieser Doppelfunktion begegnet er entwaffnend. Er verteile seine Energien „100 Prozent an München und 100 Prozent an Amsterdam“. Als Gast kommt Jansons nur noch zu zwei alten Bekannten, den Philharmonikern aus Wien und Berlin. Trotz Auszeichnung ist sein Wunsch zum 70. bislang unerfüllt: eine adäquate Spielstätte für seine Münchner Musiker. Auch da wird Mariss Jansons nicht lockerlassen.

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