Eröffnung des ID Festivals im Radialsystem : Neue Heimat

Viele israelische Künstler ziehen nach Berlin. Im Radialsystem haben sie gezeigt, was sie können - beim ersten ID Festival. Zur Eröffnung dirigiert Ex-Philharmoniker Guy Braunstein.

von
Guy Braunstein
Guy BraunsteinFoto: Ofer Plesser

Heftiger als „Die ungetreue Zerbinetta“ bei Hofmannsthal platzt eine Theatertruppe in den „Egmont“-Sound Beethovens. Die Dramaturgie erinnert an „Ariadne“, wo ein Tanzspiel das Pathos einer mythologischen Oper aufmischen soll. Hier aber geht es wohl darum, bei der Premiere für die Vielseitigkeit einer Veranstaltungsreihe zu werben, die an diesem Wochenende Musik, Theater, Tanz und mehr Kunststücke bis zum Philosophischen Cabaret einschließt. Es ist das erste ID Festival Berlin (Tagesspiegel vom 13.10.), initiiert und geleitet von dem Pianisten Ohad Ben-Ari. Angesichts 50-jähriger diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel präsentiert das Festival eine Generation israelischer Künstler, die hierzulande Heimat gefunden hat.

So dirigiert der ehemalige Konzertmeister der Berliner Philharmoniker Guy Braunstein ein extra für den Auftakt gegründetes ID Festival Berlin Orchestra. Die jüdischen Musiker treten zum ersten Mal in dieser Formation auf, und im Eröffnungskonzert ist zu beobachten, dass sie mit gespanntester Aufmerksamkeit und Freude dabei sind, aus ihren Individualitäten einen „Klangkörper“ zu bilden. Der Berliner Philharmoniker Mor Biron spielt ein Fagottkonzert Vivaldis als beschwingtes Solo. Dem folgen Arrangements, etwa Braunstein selbst mit einer hochvirtuosen „Havanaise“ von Saint-Saëns. Alma Sade von der Komischen Oper kokettiert mit Donizetti und Puccini. Wunderbaren Violaton entfaltet Philharmoniker Amihai Grosz in „Yizkor“ von Ödön Partos.

Höhepunkt wird Beethovens Vierte. Von der langsamen Einleitung zum Allegro vivace an zeigt Braunstein sich als gestaltender Dirigent. In den Sechzehnteln der Streichergruppen blitzt es. Maestro strahlt, Publikum trampelt, die Musiker an den Pulten umarmen einander – welch ein Ereignis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben