Eröffnungsgala : Nicht ohne meine Stiefel

Abendgarderobe einmal anders. Bei der Eröffnungsgala der diesjährigen Berlinale wurde der Dresscode um ein vom Film "True Grit" nahegelegtes, nicht ganz leicht zu lösendes Ausstattungsdetail verschärft: "Cowboy Boots".

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Na bitte, geht doch. Keine einzige Schneeflocke in Sicht. Und die Stadt keine weiße Wüste wie im Vorjahr zur Berlinale, als Schneeberge die Gäste empfingen und sie elf Tage lang begleiteten, manch einen auch ausgleiten, straucheln, fallen ließen. Diesmal dagegen, nun, nicht gerade sonnig, aber temperaturmäßig akzeptabel und vor allem ohne Flocken. Wobei sie zum Eröffnungsfilm gepasst hätten, spielt doch „True Grit“ im Winter, allerdings keinem schneereichen. Die Frage, ob Jeff Bridges und die anderen Pistoleros statt ihrer Cowboy- nicht doch lieber Schneestiefel tragen sollten, hatte sich damit erledigt.

Für die Gäste der Gala zur Berlinale-Eröffnung am Donnerstagabend am Potsdamer Platz stand das Schuhproblem weiter auf der Tagesordnung, nur sah es etwas anders aus. Man weiß ja, wie man sich dort zu kleiden hat, Abendgarderobe eben, darum wird Jahr für Jahr in den Einladungen ausdrücklich gebeten. Diesmal aber war der Dresscode um ein vom Film nahegelegtes, nicht ganz leicht zu lösendes Ausstattungsdetail verschärft worden: „Cowboy Boots“. Man sah dergleichen schon gelegentlich auf Premieren in Berlin, unvergessen sind die silberbeschlagenen Stiefel, mit denen einst Arnold Schwarzenegger hier auftauchte. Aber so was Hübsches hat nicht jeder im Schuhschrank stehen, und es eigens für den gestrigen Abend noch schnell zu erwerben, wäre auch etwas übertrieben, wenn man nicht gleichzeitig einem Wildwest-Verein beitreten will.

Früher hat man Westernhelden der Berlinale schon mal in der Postkutsche vom Flughafen Tempelhof abgeholt, Lee Marvin ist es so ergangen, als er hier 1965 „Cat Ballou“ präsentierte, aber die Zeichen ändern sich. Obwohl davon auszugehen war, dass Jeff Bridges & Co. ohnehin ein herzlicher Empfang bereitet würde, der gegen 19.30 Uhr im Berlinale-Palast am Marlene-Dietrich-Platz vorgesehen war. Tagsüber war das Theater den Bedürfnissen solch einer Gala angepasst worden, auch das Foyer wurde mit Blumenschmuck aufgehübscht, der alle, die das Weiß auf den Straßen in diesem Jahr aus unerfindlichen Gründen doch vermissen, zufriedengestellt haben dürfte: weiße Amaryllis, weiße Ranunkeln, na, und die Weidenkätzchen sowieso weiß.

Die Gäste erwartete ein unterhaltsamer Abend, auch schon vor dem Film. Die Moderation hatte die in dieser Berlinale- Rolle schon mehrfach erprobte Anke Engelke übernommen, das Musikprogramm die Berliner Band Beatsteaks, die sicher ihre Verdienste hat, aber hätte man nicht doch lieber Gitte („Ich will ’nen Cowboy als Mann“) nehmen sollen? Nun, man würde sehen.

Als Hauptfiguren der Eröffnung, für die eine Live-Übertragung in 3sat vorgesehen war, sollten wie gewohnt Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Festival-Chef Dieter Kosslick auftreten, verstärkt um die diesjährige Jury-Präsidentin Isabella Rossellini. Die Regisseure des Eröffnungsfilms „True Grit“ hatten neben Jeff Bridges auch dessen junge Filmpartnerin Hailee Steinfeld und den Filmbösewicht Josh Brolin mitgebracht. Im Publikum würde wie gewohnt vor allem die nationale Filmprominenz weilen, angekündigt waren etwa Mario Adorf, Wolfgang Becker, Margarethe von Trotta, Wim Wenders, Dani Levy, Heike Makatsch, aber auch Costa Gavras und die Festivaldirektoren Thierry Frémaux (Cannes) und Marco Müller (Venedig). Zur anschließenden Party würden es die Gäste diesmal nicht weit haben, sie war wieder im Berlinale-Palast selbst vorgesehen. Im Vorjahr mussten sie noch ins Café Moskau in der Karl-Marx-Allee – bei Schneetreiben!

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