Kultur : Ersatzteillager

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf beim Gebrauchtopernkauf

Für einen Opernbesuch gilt das Gleiche wie für den Kauf eines Gebrauchtwagens: Bevor man sein Geld auf den Tisch legt, sollte man ganz genau hinschauen, was man da gerade erwirbt. Denn die Repertoirevorstellung einer Oper hat mit der Premiere oft nicht mehr zu tun als ein Neuwagen mit einem, der schon 150000 Kilometer gelaufen ist. Was vor allem bedeutet, dass etliche Bestandteile des „Ab Werk“-Premierenprodukts längst ausgetauscht worden sind, und das der Besetzungszettel zum Ersatzteillager geworden ist. Ein Qualitätsverlust geht damit nicht unbedingt einher, im Gegenteil: So ist beispielsweise keineswegs sicher, ob die Zweitbesetzung der neuen „Pique dame“ der Staatsoper , der russische Tenor Victor Lutsiuk, die Rolle des spielsüchtigen Offiziers Hermann schlechter singen wird als Rollenvorgänger Placido Domingo. Wer will, kann sogar noch den Direktvergleich machen und sich die Produktion mit Domingo am Sonntag und mit Lutsiuk am Dienstag anschauen. Der Besetzungswechsel innerhalb der ersten Aufführungsserie ist zwar ungewöhnlich, aber auch eine relativ frische Produktion wie Peter Konwitschnys „ Don Giovanni“ -Inszenierung an der Komischen Oper ist inzwischen fast völlig neu besetzt – auch Chefdirigent Kirill Petrenko hat die Leitung an den neuen Kapellmeister Jin Wang abgegeben (wieder am 17.12.). Nur der regelmäßige Austausch wartungsintensiver Teile garantiert eine lange Laufzeit.

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