Kultur : Erst reden, dann denken

Spitze Zungen: eine Diskussion über die Berliner Opernkrise

Frederik Hanssen

Ulrich Eckhardt (Ex-Festwochenchef): „Das kannibalistische Verhalten der drei Opern untereinander muss aufhören.“Andreas Homoki (Chefregisseur Komische Oper): „Wir sind nicht kannibalistisch.“Antje Vollmer (Bundestagsvizepräsidentin): „Man traut es Ihnen aber zu!“

Ja, es ging durchaus semiserio zu auf der jüngsten Podiumsdiskussion zum „Berliner Opernstreit“, also halbernst, um nicht zu sagen: mittelheiter. Der „Rat für die Künste“ hatte zur Wiederaufnahme des fast schon vergessenen „Forums Hauptstadtkultur“ geladen, bei dem im Foyer der Akademie der Künste bereits vor Jahren alte Argumente effektvoll ausgetauscht worden waren. Genauso lief es diesmal, nur dass die Gemüter jetzt noch verhangener sind, die Haushaltszahlen erschreckender und die Zungen spitzer. Kultursenator Thomas Flierl–im Gegensatz zu seinen Vorgängern kein Meister flotten Mundwerks–ließ sich von der geladenen Stimmung immerhin zu der Formulierung hinreißen, in Berlin koalierten inzwischen wohl drei Parteien: einerseits Finanzsenator Sarrazin, der gerade wieder erklärt hat, am besten schlösse man gleich zwei Opern und bespiele die dritte so populistisch, dass sie sich weitgehend selber finanziere, andererseits Peter Strieder und Annette Fugmann-Heesing, die zur Großfusion neigen, drittens er selber, der die „künstlerische Eigenständigkeit“ der Trias erhalten wolle, und Klaus Wowereit (der sich freilich noch nicht endgültig geäußert hat).

Neues gab es an dem langen Abend allein in puncto Hauptstadtkulturvertrag: Berlins CDU-Kulturexpertin Monika Grütters übte Kritik am eigenen Landesvorsitzenden Christoph Stölzl, der in seiner Zeit als Kultursenator „aus einer Laune heraus“ willkürlich ein paar Institutionen zum Bund abgeschoben habe. Antje Vollmer, die als „Bundesvertreterin“ auf dem Podium saß, weckte Hoffnungen, die 2004 nötige Neuauflage könne durchdachter ausfallen: Über den Verbleib der Festspiele beim Bund werde beispielsweise nachgedacht. Zuvor aber müssten die Opernprofile „ausdifferenziert“ werden und eine Servicezentrale für alle drei Häuser her. Das kam dem Auditorium dann doch irgendwie bekannt vor.

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