Kultur : Es geht ihm gut

Arno Geiger erhält den ersten Deutschen Buchpreis

Ulrich Rüdenauer

Eine gute Nachricht vorweg: Es gab kein Fernsehballett, keine Gala, keine arglosen Moderatoren, keinen Kessel bunter Bücher. Bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises war man sichtlich um Seriosität bemüht: Skurrilitäten wie bei der Vergabe des Deutschen Bücherpreises („Der Butt“) in Leipzig, die eher Mitleid mit den Geehrten hatten aufkommen lassen, sollten vermieden werden. Mit einigem Getöse trat am Montag der halbe Literaturbetrieb im Kaisersaal des Frankfurter Römer zusammen, um der Entscheidung der Jury um Bodo Kirchhoff zu harren. Die Buchmesse begann so schon einen Tag vor ihrer offiziellen Eröffnung. Ein gutes Zeichen: Die Branche ist geneigt, die Auszeichnung ernst zu nehmen.

Der Buchpreis möchte der kleine Bruder des französischen Prix Goncourt und des britischen Man Booker Prize werden, beides renommierte Auszeichnungen, die nationale Literatur im Ausland bekannt machen. Das ist auch erklärtes Ziel des vom Börsenverein initiierten Buchpreises. Schon im Vorfeld wurden mehrere Nominierungsrunden öffentlichkeitswirksam inszeniert: Die Jury hatte sich im Sommer durch 160 Neuerscheinungen gekämpft, 20 Romane auf die Longlist und sechs Autoren – Arno Geiger, Daniel Kehlmann, Thomas Lehr, Gert Loschütz, Gila Lustiger und Friederike Mayröcker – auf die Shortlist gesetzt. Den experimentierfreudigeren Texten wurden im Vorfeld wenig Chancen eingeräumt. Hingegen fielen immer wieder die Namen Kehlmann und Geiger. Ersterer hat es mit seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ bereits auf die Bestsellerliste geschafft. Geiger, der schließlich für den Familien- und Zeitroman „Es geht uns gut“ zum ersten Träger des Buchpreises gekürt wurde, dürfte dort bald landen. Der 37-jährige Österreicher, der bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat, aber wie sein Romanheld bisher am großen Erfolg vorbeigeschrammt ist, war dementsprechend „baff“. 25000 Euro Preisgeld, der Medienrummel, der sichere Verkauf von Auslandslizenzen könnten ihm nun tatsächlich zu Ruhm verhelfen. Er wolle, sagte er in Frankfurt, den Buchpreis zum Anlass nehmen, „aufrichtigere, mutigere, konsequentere Bücher“ zu schreiben. Eben solche wünscht man sich auch künftig auf der Nominierungsliste. Die Premiere jedenfalls lässt hoffen.

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