Kultur : "Es geht nur uns etwas an"

Washington, 18.August (AFP) - Nach sieben Monaten der Dementis und des Schweigens hat US-Präsident Bill Clinton am Montag (Ortszeit) in der Lewinsky-Affäre zumindest ansatzweise reinen Tisch gemacht.AFP dokumentiert den Wortlaut seiner etwa vier Minuten langen Fernsehansprache.

"Guten Abend.

Heute nachmittag habe ich in diesem Zimmer, von diesem Stuhl aus, vor dem Amt des Sonderermittlers und vor der Bundesanklagekammer ausgesagt.

Ich habe ihre Fragen wahrheitsgemäß beantwortet, einschließlich der Fragen über mein Privatleben, Fragen, die kein amerikanischer Bürger je gerne beantworten würde.

Trotzdem muß ich die vollständige Verantwortung für alle meine Handlungen übernehmen, ob öffentlich oder privat.Und das ist der Grund, warum ich heute abend zu Ihnen spreche.

Wie Sie wissen, wurde ich in einer Vernehmung im Januar über meine Beziehung zu Monica Lewinsky befragt.Meine Antworten waren zwar juristisch akkurat, doch habe ich freiwillig keine Informationen beigesteuert.

Ich hatte in der Tat eine Beziehung zu Miss Lewinsky, die nicht angebracht war.Sie war vielmehr falsch.Sie bildete einen entscheidenden Aussetzer des Urteilsvermögens und ein persönliches Versagen meinerseits, für das ich einzig und völlig verantwortlich bin.

Aber ich habe heute der Bundesanklagekammer gesagt, und ich sage es jetzt zu Ihnen, daß ich zu keinem Zeitpunkt irgend jemanden aufgefordert habe, zu lügen, Beweismittel zu verstecken oder zu zerstören oder irgend eine andere ungesetzliche Handlung zu begehen.

Ich weiß, daß meine öffentlichen Äußerungen und mein Schweigen in dieser Angelegenheit einen falschen Eindruck gegeben haben.Ich habe die Leute in die Irre geführt, selbst meine Frau.Ich bedauere das zutiefst.

Ich kann Ihnen nur sagen, daß ich von verschiedenen Faktoren getrieben wurde.Zunächst von dem Wunsch, mich selbst vor der Peinlichkeit meines eigenen Betragens zu schützen.

Ich war zudem sehr darum bemüht, meine Familie zu schützen.Die Tatsache, daß diese Fragen im Rahmen eines politisch motivierten Verfahrens gestellt wurden, das inzwischen niedergeschlagen worden ist, war auch eine Erwägung.

Zudem hatte ich reelle und ernsthafte Bedenken gegen Sonderermittlungen, die mit Privatgeschäften von vor 20 Jahren begannen, Geschäften, bei denen eine unabhängige Bundesbehörde schon vor über zwei Jahren keinen Beweis für jedwedes Fehlverhalten meinerseits oder seitens meiner Frau fand, wie ich hinzufügen möchte.

Die Sonderermittlungen wandten sich meinem Stab und meinen Freunden zu, dann meinem Privatleben.Und jetzt ist die Untersuchung selbst Gegenstand einer Untersuchung.

Dies geht schon zu lange, hat schon zuviel gekostet und zuvielen unschuldigen Menschen geschadet.

Jetzt liegt diese Angelegenheit bei mir, den beiden Menschen, die ich am meisten liebe - meine Frau und unsere Tochter - und unserem Gott.Ich muß es wiedergutmachen, und ich bin bereit, alles daranzusetzen, dies zu tun.

Nichts ist mir persönlich wichtiger.Aber es ist privat und ich beabsichtige, mein Familienleben für meine Familie zurückzufordern.Es geht nur uns etwas an.

Selbst Präsidenten haben Privatleben.Es ist Zeit, das Streben nach persönlicher Vernichtung und das Wühlen in unseren privaten Leben zu stoppen und mit dem Leben unserer Nation voran zu kommen.

Unser Land ist von dieser Angelegenheit schon zu lange abgelenkt worden, und ich übernehme meinen Teil der Verantwortung in alledem.Das ist alles, was ich tun kann.

Nun ist es Zeit - eigentlich schon weit über der Zeit, wieder voran zu gehen.

Wir haben wichtige Arbeit zu tun - echte Gelegenheiten zu ergreifen, echte Probleme zu lösen, uns mit echten Sicherheitsfragen auseinanderzusetzen.

Deshalb bitte ich Sie heute abend, sich vom Spektakel der vergangenen sieben Monate abzuwenden, um das Gewebe unseres nationalen Diskurses zu reparieren, und unsere Aufmerksamkeit wieder allen Herausforderungen und allen Verheißungen des nächsten amerikanischen Jahrhunderts zuzuwenden."

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