Kultur : "Es geht um 2000 Jahre Geschichte"

MORITZ MÜLLER-WIRTH

Direktor W.Michael Blumenthal zur Konzeption des Jüdischen Museums

Am 24.Januar wird in Berlin das von Daniel Libeskind entworfene Gebäude des Jüdischen Museums feierlich eröffnet.Am Vorabend wird zum Gala-Diner gebeten.Mit dem Direktor, W.Michael Blumenthal, sprach Moritz Müller-Wirth über seine Pläne und mögliche Berührungspunkte mit dem neuen Holocaust-Mahnmal-Konzept.

TAGESSPIEGEL: Mister Blumenthal, wie vertragen sich das geplante "Haus der Erinnerung" auf dem Mahnmalgelände und das Jüdische Museum?

BLUMENTHAL: Ich habe immer gesagt, das Jüdische Museum ist ein deutsch-jüdisches Geschichtsmuseum.Natürlich war der Holocaust ein schrecklicher Tiefpunkt dieser Geschichte ...

TAGESSPIEGEL: ...und somit eine unausweichliche Thematik für Ihr Museumskonzept.Wie können da Überschneidungen vermieden werden?

BLUMENTHAL: Man könnte einen zentralen Planungs- und Koordinationsstab berufen, der die Konzepte für Archive, Bibliotheken und auch Ausstellungen in beiden Häusern lenken wird.Dadurch könnten Doubletten vermieden und die Arbeit effizienter gestaltet werden.

TAGESSPIEGEL: Was halten Sie von dem von Ihnen beförderten Kompromiß zwischen Eisenman und Naumann?

BLUMENTHAL: Ich finde, daß der neue Vorschlag von Eisenman eine geniale Kombination des Didaktischen einerseits und des Monumentalen andererseits bedeutet.Es scheint eine gute Antwort auf die Frage: "Was heißt erinnern?".Mit den bestehenden Orten, der Topographie des Terrors oder der Wannsee-Villa, mit neuen, wie dem Jüdischen Museum verfügt die Stadt jetzt über ein höchst anspruchsvolles, eindringliches und architektonisch aufregendes Ensemble.

TAGESSPIEGEL: Welche Rolle spielt dabei das Jüdische Museum?

BLUMENTHAL: Ziel des jüdischen Museums ist es, zu zeigen, welchen Platz die Juden in Deutschland über 2000 Jahre hinweg hatten.Wie jüdische Religion und Kultur die deutsche Kultur beeinflußt hat und umgekehrt.Natürlich ist das, was wir als Thema setzen, nicht auf Europa beschränkt.Auch der Einfluß der jüdischen Kultur über die Grenzen Europas hinaus, zum Beispiel in der Wissenschaft und auch in Hollywood, werden dokumentiert werden.

TAGESSPIEGEL: Wann und mit welcher Ausstellung werden Sie das Haus eröffnen?

BLUMENTHAL: Voraussichtlich im Oktober 2000 wird der erste Teil unserer permanenten Ausstellung fertig werden.Gedacht ist an die Epoche von Mitte des 19.Jahrhunderts bis in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg.Der zweite Teil folgt dann 2001.

TAGESSPIEGEL: Für die Eröffnung am Wochenende sind ausgedehnte Feierlichkeiten geplant.

BLUMENTHAL: Wir sind völlig überrascht von der sensationellen Resonanz auf unsere Bemühungen.Viele Vertreter der deutschen Wirtschaft zeigen großes Interesse.Und auch Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sein Kommen angekündigt.

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