Kultur : Es ist nicht alles Geld, was zählt

Jörg Königsdorf

Egal, was man von der Hochglanzorchester-Parade hält, die in diesem Jahr das Kernprogramm des Musikfestes bildet – einen Grund gibt es allemal, sich die Konzerte nicht entgehen zu lassen. Die Festwochen-Nachfolgeveranstaltung wird nämlich mächtig bezuschusst. Da kriegen die Berliner Hochkultur gewissermaßen zum Schnäppchenpreis. Während die Besucher der Essener Philharmonie bis zu 145 Euro hinblättern müssen, um das Philadelphia oder das Cleveland Orchestra zu hören, kosten die teuersten Karten in der Philharmonie in beiden Fällen nur 78 Euro. Wie meist bei Sonderangeboten ist natürlich bei der Sache ein kleiner Haken: Während in Essen (und vergleichbaren Tourstationen) die Klassik-Hits von Mozart bis Tschaikowsky auf dem Programm stehen, müssen die Hauptstädter für ihren Rabatt auch ein bisschen Zeitgenössisches in Kauf nehmen. Im Falle des Philadelphia Orchestra , das am Freitag den Reigen eröffnet, ist das immerhin eine knappe halbe Stunde: Chefdirigent Christoph Eschenbach hat Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ mit den 1999 entstandenen „Hérodiade“- Fragmenten des deutschen Komponisten-Jungstars Matthias Pintscher gekoppelt. Aber keine Angst: Pintscher ist kein verschreckender Neutöner, sondern setzt eher die Strauss- Henze-Traditionslinie mit opulenten Orchesterraffinements fort. Und auch das Orchestertryptichon „Orion“ der Finnin Kaija Saariaho braucht niemand abzuhalten, das Konzert des Cleveland Orchestra am 8. September zu besuchen. Denn auch Saariaho schreibt so kultiviert und hörfreundlich, dass selbst das Salzburger Publikum nichts gegen ihre Musik einzuwenden hat. Genauso wenig wie gegen die Musik Hans Werner Henzes , die beim Konzert des Amsterdamer Concertgebouw Orkest am 11.9. zwischen Beethoven und (natürlich) Mahler geklemmt ist. Ob diese schonend dosierte Moderne allerdings als Subventionsgrund reicht? Es sei dahingestellt.

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