Kultur : Es ist schön, aber ich bleibe, wie ich bin Die Preisträgerin

vor der Presse in Berlin

Berlin, Schiffbauerdamm 5, im Büro des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Knapp hundert Menschen drängeln sich hier in zwei kleinen Räumen, um Herta Müllers erste Reaktion auf den Literaturnobelpreis live mitzuerleben. Klein, zierlich, ganz in schwarz gekleidet und etwas angespannt wirkend sitzt Müller auf einem Stuhl vor den vielen Kameras und sagt, was die meisten Literaturnobelpreisträger vor ihr auch schon gesagt haben, so kurz nach der Verkündung der Entscheidung: „Ich habe es nicht erwartet. Ich war sicher, es passiert nicht“. Und: „Es ist noch nicht in meinem Kopf angekommen. Ich brauche Zeit das einzuordnen.“

Doch Herta Müller sagt auch ein paar Worte zu ihrem Lebensthema, zu ihren traumatischen Erfahrungen unter der rumänischen Diktatur: „Mein Schreiben hatte immer damit zu tun, sich zu fragen: Wie konnte es soweit kommen, dass sich eine Handvoll Mächtige das Land unter den Nagel reißen? Woher nehmen sie sich das Recht?“. Und sie versucht selbst noch in dieser halben Stunde, den Unterschied zwischen ihrer Literatur und einem Preis wie diesem deutlich zu machen – dass dieser eine Auszeichnung für ihre Bücher sei, „die richtige Art damit umzugehen“. Und wie ihr Umgang mit Sprache zu verstehen sei: „Man muss immer wieder versuchen, durch Imagination, Realität und dem Zerbrochenen der Realität etwas neues zu konstruieren.“

Das ist fast ein bisschen viel für diese eilig anberaumte Feier- und Plauderstunde. Doch man glaubt Müller aufs Wort, als sie die wiederkehrenden Fragen nach dem Einfluss des Literaturnobelpreises auf ihre Person und ihr Schreiben abwehrt: „Ich bin jetzt nichts Besseres, ich bin auch nichts Schlechteres. Es ist o.k., es ist schön, aber es wird sich an mir nichts verändern.“

Gerade auch ihre Literatur, soviel ist sicher, wird sich nicht verändern durch diesen Preis – geschweige denn, dass Müller plötzlich nicht mehr weiter wüsste, dass sie auf einmal eine Bürde spüren und ihre Schaffenskraft erlahmen könnte. „Wenn ich Lesungen mache, Interviews gebe oder Preise in Empfang nehme, hat das alles mit meinem Schreiben nichts zu tun“, betont sie – und ist dann trotzdem sichtlich froh darüber, als die Fragestunde vorüber ist. Schließlich hat sie auch eine Umarmung vom Kulturminister Neumann überstanden. gbar

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