Kultur : Es muss nicht immer Berlin sein

Nicolas Berggruen gibt Kunst nach Los Angeles.

Ein Artikel der britischen Zeitschrift „The Art Newspaper“ schreckt die Berliner Kunstszene auf. Unter der Schlagzeile „Nicolas Berggruen baut Sammlung für Los Angeles auf“ heißt es: „Zugunsten von Dauerleihgaben in den USA legt der deutsche Sammler die Pläne zu den Akten, in Berlin ein Museum zu bauen.“ Damit ist zum Glück nicht der Erweiterungsbau für die Charlottenburger Berggruen-Sammlung gemeint. Die Klassiker der Moderne aus dem Erbe des Vaters Heinz Berggruen werden wie geplant wieder ab Juni in dem vom Architekturbüro Kühn/Malvezzi entworfenen Komplex zu sehen sein. Im Artikel geht es ausschließlich um die Sammlung zeitgenössischer Kunst, die Sohn Nicolas seit einigen Jahren zusammenträgt. Eine Kollektion, über die bislang nichts Konkretes bekannt war, die der Regierende Bürgermeister aber gerne in jenem Ausstellungshaus am Humboldthafen gezeigt hätte, von dem er lange träumte.

Der Plan, Teile seiner Sammlung nach Los Angeles auszuleihen, sei nichts Neues, sagt Ute Kiehn, die Berliner Sprecherin Berggruens, dem Tagesspiegel. Kontakte dorthin gäbe es seit 2009, ab 2014/15 könnten die Werke ausgestellt werden. Dies sei Klaus Wowereit und den entsprechenden Senatsstellen bekannt, so Kiehn. Zudem sind die Leihgaben befristet; die Sammlung könnte später auch in Berlin präsentiert werden. Eine erste Kooperation mit der Neuen Nationalgalerie gibt es bereits: Seit einem Dreivierteljahr befindet sich als Leihgabe von Berggruen die Skulptur „Vater Staat“ von Thomas Schütte auf der Terrasse des Mies- van-der-Rohe-Baus.

Immerhin wurde mit dem Artikel in „The Art Newspaper“ jetzt erstmals bekannt, dass sich der Sammler auf deutsche Künstler wie Thomas Schütte, Martin Kippenberger, Gerhard Richter und Joseph Beuys konzentriert – Namen, die in Berlins Museen bestens vertreten sind.

Dass die beiden Kommentare zum Artikel auf der Website des „Art Newspaper“ ausgerechnet von Vivien Stein aus Paris stammen, ist dagegen recht pikant. Stein hatte im Spätherbst die Biografie „Heinz Berggruen. Leben & Legende“ veröffentlicht, in der sie dem Sammler Geschäftemacherei und Vorteilsnahme aufgrund seines Judentums vorwirft. Es sei ein „ verbreitetes Missverständnis“, dass Berlin die Bilder des Vaters einst für einen Zehntel des Marktwertes gekauft habe, giftet Stein nun im Internet: Die Zahl basiere lediglich auf den Angaben des Sammlers selber. Ihre zweite Anmerkung: Dauerleihgaben seien keine Geschenke , sondern eine Unterbringungsmöglichkeit privater Investitionen auf Kosten der Öffentlichkeit. NK/F. H.

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