• "Est-Ouest": Ich will ein Geschenk erwidern - Der Regisseur Regis Wargnier im Gespräch

Kultur : "Est-Ouest": Ich will ein Geschenk erwidern - Der Regisseur Regis Wargnier im Gespräch

Herr Wargnier[ursprünglich wollten Sie einen]

Regis Wargnier dreht seit 15 Jahren Filme, meistens episch breite Stoffe. Sein Erstling war "Die Frau meines Lebens", am bekanntesten wurde er mit "Indochine" (1992). Zuletzt drehte er "Eine französische Frau" (1996).



Herr Wargnier, ursprünglich wollten Sie einen Balkan-Eastern mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle drehen ...

ja, die erste Idee. Sie wuchs mir über den Kopf. Aber dann traf ich in Russland Menschen, die sehr gut Französisch sprachen. Ihre Geschichten waren ähnlich. In Frankreich geboren, mussten sie mit ihren Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg nach Russland zurück. Viele Familien wurden auseinander gerissen, viele Menschen wurden interniert, viele wurden hingerichtet.

Erinnert man sich denn in Frankreich noch an diese Exil-Russen-Geschichte?

Viele wollen gar nichts davon wissen. Vielleicht auch, weil sie sich indirekt schuldig fühlen. Viele Intellektuellen haben ja die französische KP unterstützt. Und die erhielt ihre Anordnungen direkt aus Moskau. Wie es unter Stalin wirklich aussah, erschien da nicht so interessant.



Nun haben Sie selbst in Russland gedreht, ohne Ihr bewährtes Team.

Wenn die Amerikaner irgendwo drehen, dann bringen sie alles mit, so an die 300 Menschen. Sie bringen sich sogar ihr Essen mit für vier Monate - vakuumverpackt. So wollte ich es nicht machen. Ich wollte mit Ukrainern, Bulgaren und Russen arbeiten. Gut, wir hätten in Deutschland drehen können, mit mehr Geld, in netten Studios und so weiter. Aber ich wollte ganz in diese Welt eintauchen. Ich habe sogar Russisch gelernt. Und dann hatte ich Lust, etwas zurückzugeben. So, wie wenn man ein Geschenk bekommen hat.

Im Zentrum Ihres Films steht nicht zum ersten Mal eine starke Frau.

Finden Sie? Habe ich ein Faible für starke Frauen? Es sind die Ereignisse, die sie zu einer starken Persönlichkeit machen. Sie geht mit dem Mann, den sie liebt, in dieses fremde Land und in eine ungewisse Zukunft.

Wie haben Sie die anderen Schauspieler gefunden?

Es gibt in Russland und Bulgarien viele brillante Leute. Weil das Geld fürs Kino fehlt und kaum Filme gedreht werden können, überleben diese großartigen Darsteller mehr schlecht als recht an den Theatern. Als sie hörten, dass Catherine Deneuve mitmachen würde, wollten sie unbedingt dabei sein, und sei es nur für vier oder fünf Drehtage.

Schon für "Indochine" haben Sie mit Catherine Deneuve gearbeitet.

Wir sind nicht mehr, ganz klassisch, Regisseur und Schauspielerin - wir sind Partner geworden. Sie sollte in Russland in jedem Fall dabei sein. Als klar war, dass Sandrine Bonnaire die Hauptrolle spielen würde, gab es Widerstände. Viele meinten, sie ist kein richtiger Star. Catherine sagte, wenn Sandrine nicht dabei ist, dann stehe ich auch nicht zur Verfügung. Das hatte Klasse.

Es muss doch auch Schattenseiten geben bei der Zusammenarbeit mit so einem Star.

Man darf Catherine nicht zum Träumen bringen, von einer tollen Rolle, einem grandiosen Film. Wenn sie dann am Set merkt, dass man nicht engagiert genug ist oder zu schwach und ständig Kompromisse schließt, das mag sie überhaupt nicht. Sie sagt: Ich bin hier, weil du mich von deinen Visionen überzeugt hast. Ich unterstütze dich, mit allem was ich habe. Also: Enttäusche mich nicht. In Frankreich ist sie immer noch die Nummer Eins, die Königin des Films.

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