Kultur : Euch gilt mein ganzer Dank... - Auszüge aus der Rede von Jürgen Schitthelm

Jürgen Schitthelm

Mit dieser letzten Stella-Vorstellung endet zugleich inmitten der 38. Spielzeit die nahezu dreißigjährige Arbeit des 1970 neu formierten Ensembles, die viele von Ihnen mit kritischem Interesse und großer Anteilnahme so engagiert begleitet haben. Deshalb gilt heute ein besonderer Dank an unser Publikum, das sich teilweise schon über Jahrzehnte mit der Arbeit der Schaubühne auseinandersetzt. (...) Sie waren immer das interessierte Schaubühnenpublikum, um das uns die anderen Theater beneidet haben. Wir waren uns Ihrer Zuneigung immer bewusst, ohne die kein Theater existieren kann. (...)

Gestatten Sie mir heute aber auch den Hinweis, dass die Schaubühne ihren Weg son nicht hätte nehmen können, ohne die Begegnung mit drei Persönlichkeiten der Berliner Politik, für die Theater und Kultur unabhängig vom poltischen Amt Lebensinhalt war. Das waren die Senatoren Jaochim Tiburtius, Werner Stein und Dieter Sauberzweig, die uns in den Phasen der Gründung, der Etablierung des festen Ensembles und des Umbaus dieses wundervollen Hauses engagiert zur Seite standen. Für die Zukunft der Schaubühne, nein für die Entwicklung Berlins zur europäischen Metropole braucht es auf Landes- wie auf Bundesebene mehr solcher Pesönlichkeiten, für die die Ausübung eines politischen Mandats und die Teilhabe an den schönen Künsten kein Gegesatz, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Wünschen wir uns, dass sich in dieser Stadt wieder ein Klima entwickeln möge, das die Kultur aus den permanenten Rechtfertigungszwängen befreit und kulturelle Vielfalt wieder als Ausdruck des geistigen Reichtums einer Metropole und damit als Chance und nicht als finanzielle Last begreift.

Doch nun zu denjenigen, denen an diesem Tag mein besonderer Dank gilt; den Schauspielern der Schaubühne. Viele, die einige oder auch lange Jahre dabei waren, sind heute anwesend. Habt deshalb bitte Verständnis, wenn ich - um Euch allen zu danken - zwei Schauspielerinnen ganz persönlich anspreche. (...) Liebe Jutta, liebe Corinna, Ihr habt durch Eure Treue zum Hause und durch Eure Haltung gegenüber dem Ensemble bewiesen, dass Schauspielerei immer noch Berufung und nicht allein Beruf sein kann. Für Euch stand die Schaubühne immer an erster Stelle, ganz seltene Ausflüge an andere Theater, zu Film und Fernsehen wurden wie selbstverständlich den Bedürfnissen des Hauses untergeordnet. Und was Euch in diesem Zusammen hang besonders auszeichnet, sei hier auch erwähnt. Mit Euch beiden habe ich über den Gedanken eines konsequenten künsterlischen Neubeginns geredet, als es tatsächlich noch ein erster Gedanke war un Ihr habt mir zugeraten, die Schaubühne mit einer jüngeren Generation weiterzuführen und habt dabei den Fortbestand des Hauses und den Ensemblegedanken über Eure persönlichen Interessen gestellt. Ihr ahnt wahrscheinlich nicht, wie sehr mich Eure Haltung seinerzeit beeindruckt und bestärkt hat. (...)Jürgen Schitthelm, dessen Rede wir auszugsweise dokumentieren, zählt mit Klaus Weiffenbach, Waltraud Mau und Leni Langenscheidt zu den Gründern der Schaubühne und ist Intendant des Theaters.

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