Eulenspiegel : Ausstellung zeigt Klassiker der DDR-Karikaturen

Das Wilhelm-Busch-Museum stellt ostdeutsche Satire aus. Dabei hofft es auf ein interessiertes Publikum. Nicht jeder versteht den besonderen Humor. Noch immer lernen Ost und West von einander. Können sie auch miteinander lachen?

Eulenspiegel
Die Ausstellung ist bis zum 1.Juni geöffnet. -Foto: ddp

HannoverFeinsinnig, hintergründig, unterschwellig politisch - Karikaturen in der DDR mussten ohne offene Kritik auskommen. Dennoch waren sie beim Volk ungeheuer beliebt - und die Zeichner nutzten subtile Methoden, um die Verhältnisse aufs Korn zu nehmen. Die Besucher des Wilhelm-Busch-Museums Hannover können von diesem Samstag (9. März) bis zum 1. Juni sich ein Bild von dem meisterhaften Witz  machen. Die Schau "Eulenspiegel - Klassiker der ostdeutschen Karikatur" zeigt 391 Werke von elf  Satirikern, sagt Museumsdirektor Hans Joachim Neyer. Diese wirkten maßgeblich am Stil dieses Genres mit.

Die Ausstellung sei für das Wilhelm-Busch-Museum nicht ohne Risiko. "Auch 18 Jahre nach der Wiedervereinigung kennt man sich noch nicht in Ost und West", sagt Neyer. Der Witz der DDR-Karikaturen wird im Westen häufig nicht verstanden und auch nicht gemocht. Die Ausstellung sei deshalb ein Versuch der Annäherung. Sie wird  vom Austauschfonds Ost-West der Kulturstiftung des Bundes finanziell gefördert.

Am Kiosk war der neue "Eulenspiegel" immer Mangelware

Viele der elf Künstler, sind in den vergangenen Jahren gestorben. Unter den Verstobenen befinden sich Heinz Behling, Heinz Jankofsky oder Manfred Bofinger. Andere, wie Reiner Schwalme und Barbara Henniger, arbeiten noch immer sehr erfolgreich. Alle haben sie im Satire-Magazin "Eulenspiegel" veröffentlicht. In der DDR erschien dieses Magazin eine Auflage von 500.000 Heften. An den Kiosken waren sie sofort vergriffen. Die Zeitschrift gibt es noch immer.

Henniger, die einzige Frau in der Schau, nimmt seit eh und je die Unzulänglichkeiten der Gesellschaft aufs Korn. 1979 entlarvt sie zum Beispiel die ideologisch aufgeladene Jugendweihe als Kommerzveranstaltung. Ihrer Meinung nach sahen es die "geweihten" Jugendlichen vor allem auf Geldgeschenke der Verwandtschaft ab. 2003 lässt sie zwei feine Herren über ihre Beteiligung am Aufbau Ost sprechen. Auf die Frage des einen, was sein Gegenüber im Osten saniert habe, antwortet dieser: "Mich!". (ml/dpa)


Zu der Schau ist im Museum das Buch "Eulenspiegel - Klassiker der ostdeutschen Karikatur" erhältlich (240 Seiten), Preis: 36 Euro

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie unter: www.wilhelm-busch-museum.de

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