• Euro: Interview: "Der Kanzler wird seine Zusage nicht einhalten können" - Für den Arbeitsmarkt kann der Euro vorerst nichts tun

Kultur : Euro: Interview: "Der Kanzler wird seine Zusage nicht einhalten können" - Für den Arbeitsmarkt kann der Euro vorerst nichts tun

Herr Neumann[ist die derzeitige Stärke des E]

Manfred Neumann (60) ist Direktor des Instituts für Internationale Wirtschaftspolitik an der Universität Bonn.

Herr Neumann, ist die derzeitige Stärke des Euro nicht die perfekte Werbung für die bevorstehende Einführung der neuen Gemeinschaftswährung als Zahlungsmittel?

Der starke Euro kann sicherlich einen Werbeeffekt haben, weil die Leute bisher enttäuscht waren. Der Außenwert des Euros ist aber für die Bürger nicht ganz so wichtig wie der Binnenwert.

Warum bekommt aber der Außenwert die Aufmerksamkeit, die er bekommt?

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Der Euro kommt - Infos zur Währungsumstellung Der Außenwert spielt psychologisch eine bedeutsame Rolle. Der Bürger sieht jeden Tag im Fernsehen, wie sich der Außenwert entwickelt. Und er hört "schwach, schwach, schwach". Wenn er jetzt hört "stark, stark, stark", wird ihn das positiver stimmen, obwohl das tägliche Auf und Ab des Euro-Kurses zum Dollar für den Bürger eigentlich keine große Bedeutung hat.

Wie kann sich die Euro-Stärke denn positiv für den Verbraucher auswirken?

Reisen nach Amerika werden billiger. Desweiteren werden die Preise für importierte Güter sinken. Insbesondere sollte sich das auf dem Benzinmarkt bemerkbar machen.

Sie sagten, der Außenwert des Euros wird eigentlich vom Verbraucher überschätzt. Wie stellt sich denn der Binnenwert dar?

Auch da sieht es in Zukunft besser aus. Wir haben gesehen, dass die Inflationsrate seit Beginn der Währungsunion von etwa ein Prozent auf drei Prozent gestiegen ist. In den nächsten zwölf Monaten wird sie auf zwei Prozent, wahrscheinlich sogar auf unter zwei Prozent zurückgehen.

Die Europäer haben also allen Grund zur Freude.

Wenn man ein Jahr weiterschaut, dann wird alles besser sein.

Warum setzt der Euro denn ausgerechnet jetzt zu einem Höhenflug an?

Das sind längerfristige Entwicklungen zwischen den USA und Europa. In den USA hatten wir den starken Konjunktureinbruch. Er scheint sich länger hinzuziehen, als man gedacht hat - trotz der Niedrigzinspolitik. Das führt jetzt dazu, dass es wieder attraktiver wird, Kapital aus den USA nach Europa zu transferieren. Das wird dem Euro weiter Auftrieb geben.

Was bedeutet das für die deutsche und europäische Wirtschaft?

Kapitalzuflüsse sind immer positiv. Ich denke, dass sich unsere Konjunkturflaute, die nicht ganz so drastisch ist, wie die in den USA, abmildern wird. Aber es wird auch nicht alles dramatisch gut.

Kann das den dem Kanzler helfen, seine Prognose zu verwirklichen und die Arbeitslosenzahl in Deutschland unter die 3,5-Millionen-Marke zu drücken?

Nein, so stark wird die Konjunkturerholung zunächst nicht sein. Für den Arbeitsmarkt kommt die Entwicklung auf jeden Fall zu spät. Der Kanzler wird seine Zusage nicht einhalten können.

Kann der Kanzler nicht auf die Hilfe der Geldpolitik hoffen?

Nein, Deutschland ist nur ein Teil - wenn auch ein bedeutender Teil - der Währungsunion. Die Europäische Zentralbank macht aber keine Geldpolitik speziell für deutsche Bedürfnisse.

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