Kultur : Eurofeuerwehr

In Finnland tagt das Kulturparlament

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Der pensionierte schwedische Diplomat Karl Erik Norrman (62) leitet gemeinsam mit Per Stänbeck das „Europäische Kulturparlament“. Er ist ausgebildeter Opernsänger, Autor mehrerer Bücher und schreibt Zeitungskolumnen. Norrman lebt in Berlin und Stockholm.

Herr Norrman, Sie haben 2002 das Kulturparlament ins Leben gerufen, das auf eine Idee Yehudi Menuhins zurückgeht. Heute gehören ihm 140 Künstler aus 40 Ländern an. Was schwebte Menuhin vor?

Seine Botschaft war: Auch Europas Künstler brauchen ein Forum. Wenn wir wirklich zusammenwachsen wollen, brauchen wir mehr als eine gemeinsame Währung und Institutionen. Wir müssen etwas für Europas Herz unternehmen – das kann nur die Kunst leisten.

Das Kulturparlament tagt derzeit im finnischen Turku. Was passiert dort?

Aus dem Treffen in Lissabon 2005 entstand unser Report „Kultur als Kern einer wissensorientierten Wirtschaft“. Diesen Forschungsbericht überreichen wir in Finnland EU-Vertretern. Wir fordern ein neues Denken für Europa, das die Kultur in den Mittelpunkt der Politik stellt. Aus der „Lissabon-Agenda“ der EU hatte man bisher die Kultur total ausgeklammert, man hat sie vergessen. Wir finden das skandalös. Unser Report unterbreitet Gegenvorschläge.

I n der Ära der Sparzwänge und Budgetkürzungen auf allen Ebenen verlangt das Kulturparlament den Ausbau des Kulturtempels. Wer soll davon profitieren?

Alle. Jede Bürgerin, jeder Bürger Europas. Wir können es uns nicht leisten, Kunst und Kultur als Budget-Belastung anzusehen. In der Inspiration und Erneuerungskraft von künstlerischer Avantgarde liegt die größte Ressource, die Gesellschaften besitzen.

Wie sehen Sie die künftige Rolle des Kulturparlaments?

Wenn wir mit der Zeit eine Art „Kulturfeuerwehr“ werden, würde uns das glücklich machen. Nicht nur inspirieren wollen wir, sondern auch alarmieren, einschreiten, eingreifen, mit Manifesten, Aktionen, Kommuniques. Dafür sammeln wir jetzt Ideen und Ressourcen. Und wir sind im Landeanflug auf unser Ziel.

Das Gespräch führte Caroline Fetscher.

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