Kultur : Europas Film "total provinziell"

In einem Filmgespräch der American Academy zu Berlin trafen der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") und der polnische Filmemacher Andrej Wajda ("Asche und Diamant") aufeinander.Abseits der Berlinale diskutierten sie am Montag abend am Wannsee über kulturelle Unterschiede des Filmemachens in Europa.Scharfe Worte für die europäische Filmindustrie fand dabei Volker Schlöndorff, der seit 1992 versucht, in Potsdam-Babelsberg einen neuen Standort für europäische Filmproduktionen zu schaffen.Sie sei "total provinzialisiert" und auf das eigene Land fixiert, kritisierte der Regisseur, der 1997 von der Geschäftsführung in Babelsberg zurückgetreten ist.Keiner könne mehr die Filme des Nachbarlandes sehen.Dadurch würden die Menschen in den europäischen Ländern immer weniger übereinander wissen."In den meisten Ländern sind nur 20 Prozent nationale Filme und rund 80 Prozent amerikanische Streifen zu sehen", beklagte auch Wajda die Lage auf dem polnischen Filmmarkt.Nach Ansicht Schlöndorffs darf die Filmförderung mit Blick auf die Zukunft des europäischen Kinos nicht abgeschafft werden.Sie sei aber reformbedürftig: In der jetzigen Form führe sie zur Faulheit, da die Produzenten damit genug Geld in den Ländern einspielten und nicht mehr an einen Export denken würden."Jeder soll Filme in seiner Nationalsprache und über seine konkrete Kultur machen", meinte Schlöndorff.Allerdings sei im Vertrieb und im Marketing ein Zusammengehen der europäischen Länder denkbar, um ein Zirkulieren der Filme zu fördern.Das Filmgespräch fand im Rahmen des von der American Cinema Foundation gemeinsam mit der Philip Morris Kunstförderung organisierten "Freedom Film Festival" statt.

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