Kultur : Euskaldunak

JÖRG VON UTHMANN

Von den Basken heißt es, untereinander verstünden sie sich. Die Franzosen und Spanier, auf deren Staatsgebiet sie leben, verstehen sie nicht. Die Gefahr ist groß, daß das Baskische eines Tages ausstirbt. Das möchte die Europäische Charta zum Schutz von Regional- und Minderheitensprachen unbedingt verhindern. Nach langem Zögern hat die sozialistische Regierung in Paris die - vor sieben Jahren verabschiedete - Charta unterschrieben. Ob die Unterschrift praktische Folgen haben wird, ist jedoch fraglich. Denn die Verfassung sieht eindeutig vor: "Die Sprache der Republik ist Französisch." Dieser Artikel wird von den Franzosen überaus ernst genommen. Die Vorstellung, man könne ein guter Franzose sein und eine andere Sprache sprechen als Französisch, erscheint ihnen absurd. In Deutschland kann ein Politiker ruhig Schwäbisch oder sogar Sächsisch sprechen und trotzdem Karriere machen. In Frankreich geht das nicht. Dialekte werden in Paris nicht geduldet und erst recht keine fremden Sprachen. Ausländische Produzenten, die ihren Exportwaren keine französischen Gebrauchsanweisungen beilegen, müssen mit empfindlichen Geldbußen rechnen. Vor fünf Jahren erregte der gaullistische Justizminister Toubon allgemeine Heiterkeit, als er den Gebrauch von Fremdwörtern verbot. In der Tat beschränkte das Verfassungsgericht die Wirksamkeit der loi Toubon auf amtliche Verlautbarungen. Dennoch folgen die meisten Franzosen brav den Empfehlungen des Haut comité de la langue française und sagen statt "walkman" baladeur und statt "software" logiciel. Sollte ein englisches Wort absolut unumgänglich sein, so wird es in einer Weise ausgesprochen, daß kein Engländer auf den Gedanken käme, es schon einmal gehört zu haben. Staatspräsident Chirac handelte also durchaus konsequent, als er der sozialistischen Regierung androhte, er werde den Beitritt Frankreichs zur bereits genannten Europäischen Charta verhindern. Bei aller Sympathie für bretonische und elsässische Lokalpolitiker möchte man den Franzosen empfehlen, ihre Energien nicht auf die Wiederbelebung ihrer dahinsiechenden Dialekte zu verschwenden, sondern Fremdsprachen zu lernen. Die Kenntnis des Deutschen beispielsweise nimmt ab, allen Gipfelschwüren zum Trotz. Übrigens ist keineswegs sicher, daß sich die Basken, die sich selbst "Euskaldunak" nennen, untereinander verstehen. Der bedeutende Linguist Prinz Louis-Lucien Bonaparte (1813-91) unterschied nicht weniger als acht stark voneinander abweichende baskische Dialekte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben