Evelyn Hamann gestorben : Mit hanseatischer Kühle zum Brüllen komisch

Sagen Sie noch einmal "Lord und Lady Hesketh-Fortescue": Evelyn Hamann prägte komödiantische Klassiker an der Seite von Loriot und wurde später in weiteren Rollen zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands.

Ralf Isermann[AFP]
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Mit Evelyn Hamann verliert Deutschland eine großartige Komödiantin. -Foto: dpa

MünchenFür die Fernsehzuschauer waren die Situationen oft unerträglich komisch. Etwa, als Loriot dem Fräulein Hildegard mit einer durchs Gesicht wandernden Nudel seine Liebe gestehen will und alle Versuche der Angebeteten, ihn darauf aufmerksam zu machen, mit einem "Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard" zurückweist. Oder als die Fernsehansagerin am englischen "th" in Zungenbrechern wie "Lord und Lady Hesketh-Fortescue, Besitzer des Landsitzes North-Cothelstone Hall" verrückt zu werden droht. Evelyn Hamann machte diese Szenen zu komödiantischen Klassikern. Auch mit anderen Rollen spielte sich die Schauspielerin, die jetzt mit 65 Jahren verstorben ist, in die Riege der großen Darstellerinnen in Deutschland.

Ursprünglich wollte Vicco von Bülow Hamann gar nicht als seine Partnerin verpflichten, sie war ihm schlicht zu dünn. Doch obwohl sich die Schauspielerin weigerte, sich mit von Loriot spendierten Schweinshaxen zu dem erwünschten Pummelchen mästen zu lassen, bekam sie die Rolle. Grund war das große Potenzial, das ihr Förderer in ihr ausmachte. "Bei aller gebotenen Bescheidenheit: Ohne das nötige Talent hätte der mich auch nicht genommen", sagte Hamann später.

Schauspielhandwerk von der Pike auf gelernt

Die hanseatische Kühle, die Hamann ihr Leben lang umgab, prägte auch ihre Figuren in den Sketchen mit Loriot. Am 6. August 1942 wurde die Tochter des NDR-Konzertmeisters Bernhard Hamann in Hamburg geboren. Dort absolvierte sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auch ihre schauspielerische Ausbildung. "Von der Pike auf" habe sie ihr Handwerk gelernt, sagte Hamann später. An Bühnen in Hamburg, Göttingen, Heidelberg und Bremen hatte sie bis zu der schicksalhaften Begegnung mit von Bülow Engagements.

Gerade mal sechs Folgen drehte die ARD zwischen 1976 und 1979 von der Loriot-Serie. Doch diese reichten, um zum Dauerbrenner zu werden: Außer dem Nudel-Sketch und der Fernsehansagerin ist besonders Frau Hoppenstedt in Erinnerung, die als Hausfrau zur Selbstverwirklichung ein Jodel-Diplom macht. "Dann habe ich wirklich was eigenes", sagte Frau Hoppenstedt alias Hamann in dem Sketch mit zur Legende gewordenen Ernsthaftigkeit. "Meilensteine und Höhepunkte meiner Laufbahn und eine wichtige Zeit in meinem Leben" sei die Serie gewesen, berichtete Hamann später.

Komik mit Liebe zum Detail

Als Hamann zu ihrem 65. Geburtstag mit einer Fernseh-Show geehrt wurde, spielte die kongeniale Verbindung zu Loriot wieder eine wichtige Rolle. Dabei erntete sie aber auch Anerkennung für die Vielfältigkeit, die sie nach der Serie und den zwei Loriot-Kinofilmen "Ödipussi" und "Pappa ante portas" gezeigt hat. Hamann spielte in der ZDF-Serie "Das Traumschiff", in "Der Landarzt", "Schwarzwaldklinik" und vielen Folgen der Krimi-Serien "Der Alte" und "Tatort". Eine ganz eigene Figur wurde ihre Hauptrolle der komischen Krimi-Reihe "Adelheid und ihre Mörder", die im Schnitt sechs Millionen Menschen sahen. Hamann konnte darin noch einmal ihr Credo zeigen: "Komik ist genaue, die eigenen Mittel immer weiter hinterfragende Arbeit mit der Liebe zum Detail."

So präsent die mit zahlreichen Preisen wie der Goldenen Kamera oder dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnete Hamann auf dem Bildschirm war, so abgeschottet lebte sie ihr Privatleben. Als unberührbar wurde sie beschrieben, ihr Verhältnis zu Loriot galt zuletzt als unterkühlt. In einem Fernsehporträt beschrieb Promi-Friseur Udo Walz seine Kundin mit dem Satz "ich habe Evelyn Hamann nie küssen gesehen", eine Schauspielkollegin verwies darauf, dass sie stets in anderen Hotels als das übrige Team übernachtete.

Die Kräfte reichten nicht mehr

Zwischen Weihnachten und Neujahr 2006 musste Hamann nach den Worten ihres Managers erkennen, dass sie unheilbar krank ist: Da wollte sie nach Ende einer Tournee mit Lesungen eigentlich noch Ideen für eine neue Tournee durchgehen, doch ihre Kräfte hätten nicht mehr gereicht. Hamann, deren einzige Ehe schon in jungen Jahren in die Brüche ging, verbrachte ihre letzten Monate mit ihrem Lebensgefährten, in der Nacht zum Montag starb sie in einem Krankenhaus.

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