Kultur : "Evolution": Unter Extra-Terriern

Ralph Geisenhanslüke

Wummern. Beinahe subsonisches Wummern, dass die Beschallungsanlage an ihre Grenzen treibt. So muss es klingen, wenn ein Meteorit sich unserem Heimatplaneten nähert. Wo anders sollte er niedergehen als in den USA - genauer gesagt: in deren südlichen Bundesstaaten? An Roswell/New Mexico docken seit dem angeblichen Ufo-Absturz von 1947 bis heute die Alien-Fantasien an. Die Landschaft sieht dort aus wie von einem anderen Planeten. Klar, dass auch der Meteorit von Ivan Reitmans "Evolution" in der Nähe des Städtchens Glen Canyon am Colorado landet.

Fragen wir nicht zu lange, woher das Weltraumgeröll kommt und warum. Das haben die Autoren des Drehbuchs auch nicht getan. Ihre Geschichte ist offenbar schnell von einem Sci-Fi-Thriller zu einer Komödie mutiert. Und um Mutationen geht es auch: Auf dem Stein war nämlich Leben. Wie schon in den klassischem B-Filmen der 50er Jahre wird nicht lange nach den biochemischen und soziosexuellen Arbeitsgrundlagen der Außerirdischen gefragt. Wichtig ist, dass das dumme Militär und - in diesem Fall - David Duchovny mitspielt.

Duchovny ist Hauptdarsteller der TV-Serie "Akte X" und den Aliens schon seit fünf Staffeln auf der Spur. Ständig muss Duchovny mit der Taschenlampe in Höhlen herumkriechen, und er tut das auch in "Evolution". Damit der Serien-Konnex auch Leuten dämmert, die für Verschwörungstheorien nichts übrig haben, wurde Duchovny als weiblicher Part Julianne Moore hinzugesellt, die ebenso rothaarig ist wie das Serien-Gegenüber Gillian Anderson. Auch die niedlichen Smileys mit den drei Augen, die massiv als Werbemittel eingesetzt werden, haben mit der Handlung nichts zu tun. Sie wurden nur korrekt vom Rechte-Inhaber lizensiert.

Ansonsten erfahren wir, dass die bissigen Extra-Terrier zehn statt der üblichen vier Aminosäuren in ihrer DNS haben, sich sehr schnell entwickeln und der Digital-Effekte-Besorger von "Jurassic Park" ein paar Saurier vom Server laufen lässt. Da fliegt ein Archäopteryx durch die Shopping Mall, aber es reicht weder für die Artenvielfalt noch für die Pointendichte von "Men in Black".

Naive Erdlinge glauben, dass man sich fremden Lebensformen friedlich nähern und sie erforschen sollte. Das ist Mumpitz. Außerirdische und Monster sind so ziemlich das Letzte, worauf man heute im Kino noch von Herzen schießen darf. Und eine Lebensform, die kotzende Saurier und flatulierende Amöben produziert, gehört wirklich ausgerottet. Ja, so weit ist es mit der Science-Fiction gekommen: furzende Aliens. College-Humor über Darmwinde. Julianne Moore, sonst klar bei Verstand, nennt das eine "Sommerkomödie". Welcher warme Wind ihr das wohl zugetragen hat?

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