Kultur : Exil in Shanghai Eine Ausstellung über jüdische Flüchtlinge

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An die 30 000 Juden aus Deutschland und Österreich, aber auch aus anderen Ländern Europas fanden während der Nazi-Zeit bis 1941 in Shanghai Zuflucht. Der internationale Status der Stadt erlaubte die Einreise ohne Visum und Geldnachweis. Allerdings mussten Ausreisevisa in den Heimatländern der Verfolgten erworben werden, wobei etwa in Wien ein großzügiger Konsul half und so Tausenden die Flucht ermöglichte. In Shanghai, der quirligen Hafenstadt mit ihrem europäisch angehauchten Flair, lebten 20 000 Exilanten in einem eigens ausgewiesenen Stadtbezirk auch nach dem Krieg und bisweilen bis 1950. Als 300 aus Berlin vertriebene Juden 1947 nach mehrwöchiger Reise in der zerbombten Stadt eintrafen, war das, ungeachtet aller sonstigen Wanderungsbewegungen, eine ziemliche Sensation.

Über „Jüdische Flüchtlinge und Shanghai“ informiert jetzt eine Ausstellung im Chinesischen Kulturzentrum, die das Shanghai Jewish Refugees Museum auf Reisen geschickt hat, und die in Berlin leider nur kurz Station macht. Die zahlreichen Schautafeln, die über einzelne Schicksale berichten, werden ergänzt durch Vitrinen mit Originaldokumenten aus der Sammlung des Museums, das 2007 im Gebäude der ehemaligen Ohel Moshe-Synagoge eröffnet wurde, dem geistigen Zentrum des Exils in Shanghai.

Zu den Emigranten gehörte auch Michael Blumenthal, der aus Oranienburg stammende, spätere Finanzminister der USA und heutige Direktor des Jüdischen Museums Berlin. Und es wurden Ehen in Shanghai geschlossen, Familien gegründet, Kinder geboren, die die Toleranz der Chinesen und ihre beständige Unterstützung unter wirtschaftlich schwierigsten Bedingungen bis heute bezeugen.Bernhard Schulz

Klingelhöferstraße 21, Tiergarten. Bis 7. September, Mo-Fr 9-12 u. 14-18 Uhr

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