Kultur : Exotische Entrückungen

Klaus Dupont macht Geweihstühle und verrückte Tischskulpturen

Inge Ahrens

Wer wird schon gern auf die Hörner genommen? Klaus Dupont macht naturhafte Stühle für Terrasse und Wintergarten. Kernige Naturen können sich an ihnen schubbern. Duponts Geweihstühle sind für Liebhaber des Ausgefallenen der letzte Schrei. Er hat sie einem niedersächsischen Stuhl aus dem 19. Jahrhundert nachempfunden. Hirschgeweihe aus Bückeburg dienen ihm als Material, denn ein Mal im Jahr werfen die Tiere ihr Geweih ab. Sechs Acht- bis Sechzehnender benötigt er mindestens für ein Unikat.

Klaus Dupont ist der Meister fantastischer Schöpfungen. „Simmel-Sammel-Surium, lauter verrückte Sachen“ nennt er sie. Was als Grüppchen arrangiert auf den ersten Blick so aussieht wie der aufgerüschte Feldzug des Großwesirs Rüstem Pascha gegen Persien, sind herrlich verkitschte Kunst markierende Objekte. Ein Sockel aus Schein-Marmor, darauf ein Hals aus allerlei Schmuckwerk und über allem eine Krone aus Koralle, aus Perlmutter oder Bergkristall. „Es wird zusammengefügt, was mein Gefühl mir eingibt“, sagt Klaus Dupont gelassen: „Die Dinge warten.“

Nachlassenschaften. Was die Leute so wegwerfen. Auf Flohmärkten von Gundula und Klaus Dupont gesammelt, und schon ist die Idee da. „Zu Hause gehe ich gleich in die Werkstatt“, lacht der Vergnügte, Experimentierfreudige. „Ich stelle was zusammen, lasse es sacken und mache mich zwei Wochen später an die Arbeit.“ So entstehen die schaumgeborenen Heerscharen. Die tragen Kronen aus weißen Korallen, die einschüchternden Beißer von Sägezahnrochen und Schwertfisch sind auf elegante Sockel gepflanzt. Der Betrachter gerät in exotische Entrückung bei so viel distinguiertem Kitsch. Barock-Exzess im 21. Jahrhundert.

„Ich war schon immer ein wenig ein Narr“, schmunzelt Klaus Dupont und schwärmt von August dem Starken und des Kurfürsten selig Dresdner Wunderkammer im Grünen Gewölbe. „Da hatte jemand alles aufgehoben. Und plötzlich wusste ich, was mein Weg war: die Fortsetzung der Wunderkammern und Kuriositätenkabinette. Ich bin eigentlich zweihundert Jahre zu spät geboren.“

Klaus Dupont mit den hugenottischen Vorfahren ist in einer Marburger Architekten- und Künstlerfamilie aufgewachsen. Der stattliche 63-Jährige lernte Tischler und restaurierte Bilderrahmen. Frisch verliebt zog er 1992 mit Gundula nach Fallingbostel, um Bauernhäuser zu restaurieren. Zusammen arrangierten sie Ausstellungen, stellten mit Künstlern Vogelscheuchen in die Landschaft, um den Ort zu beleben. „Aber die Niedersachsen kamen nicht in Schwung.“ Dort entstanden auch die ersten Kabinettstückchen Klaus Duponts: die kleinen verrückten Objekte. „Sogar Sherri Donghia wollte damals was kaufen, hatte aber Bedenken wegen des amerikanischen Zolls.“

Die Duponts sind 2001 nach Berlin gezogen und haben in einer stillen Straße in Moabit Laden, Wohnung und Werkstatt bezogen. „Mich fasziniert das Kultige, das total Verrückte“, brummt der sympathische Mann. „Für einen Künstler halte ich mich nicht. Das finde ich übertrieben. Meine Arbeit ist einzig, Vorhandenes anders darzustellen. Ich bin Kunst-Handwerker.“

Die Leute drücken sich die Nase platt an der Schaufensterscheibe zu Wohnung und Laden. Besonders die Kinder. Auf den Regalen versammelt sich die Schatzkunst aus Klaus Duponts Werkstatt. Elfen-Bein und Rosenzweig. Glas speiende Gold-Fische und korallengehörnte Jahrhundertwendebübchen. Morgenländisches Kolorit in Berlins Proletarierkiez.

Wie schon vor Jahrhunderten die Künstler des Abendlandes den Orient feierten, schwelgen Klaus und Gundula Dupont in ihrer ganz persönlichen Object-Trouvé-Oase. Die Fantasie blüht, der Betrachter macht große Augen und kann sich das Lachen nicht verkneifen. „Die meisten Liebhaber besitzen mittlerweile eine Gruppe. Die sagen, die Sachen sind so irre, die muss ich haben.“ Und wenn sich die Verwandtschaft der rosigen Korallenträger, der changierenden Muschelhüte und funkelnden Kristallkronen umeinander schart, sehen sie tatsächlich ein wenig aus wie der Hofstaat eines marokkanischen Großmoguls. Hereinspaziert.

Klaus Dupont. Objekte und Skurrilitäten, Krefelder Straße 12, 10555 Berlin, Tel. 030/39834948, info@duponts.de, im Internet: www.duponts.de

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