Kultur : Exotische Menagerien, koloniale Gärten

Caroline Fetscher

Ein Zoo beherbergt Tiere. Ein Zoologe weiß über Tiere bescheid. Beides hat mit Einkasteln zu tun: in Käfige, in Kategorien. Zoo-Forscher aber, kluge Zoo-Forscher, sprengen die Kategorien, sie sperren die Käfige auf - wie die beiden französischen Autoren des Buches, das "Von der Menagerie zum Tierpark" führt, vom Zoo am Fürstenhof zum Bahnhof Zoo.

Hier lesen wir, wie der Zoo entstand - aus dem Vorführpark, der das Reich auch der kolonialen Fauna exemplarisch an den Hof etwa des Sonnenkönigs verpflanzte. In den Volieren und Gehegen, den Wasserbecken und Ställen gab es zu besichtigen, was aus der Welt der Wilden stammte, und wie man diese Welt domestierte, ihre exotischen Vögel, Elefanten und Äffchen. Um 1870 wurden die Wilden selbst beliebte Ausstellungsobjekte, "Völkerschauen", zum Beispiel bei Hagenbeck in Hamburg, präsentierten "Eskimos" und "Indianer", als handle es sich um Arten.

"Zoo" ist nicht nur eine brillante Studie, die den Ort der Gehege auf die historische Landkarte Europas zeichnet. Sorgfältig ausgewählte Abbildungen lassen sich lesen, wie ein zweiter Text im Text.Eric Baratay und Elisabeth Hardouin-Fugier: Zoo. Von der Menagerie zum Tierpark. Aus dem Französischen von Matthias Wolf. Verlag Klaus Wagenbach. Berlin, 2000. 250 Seiten, zahlreiche Abbildungen. 48 Mark

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