Kultur : Explosiv: Berliner Abgeordnetenhaus berät Kulturetat

-

Die Sitzungen des so genannten „Unterausschusses Theater“ im Berliner Abgeordnetenhaus sind berüchtigt. Hier laden die Parlamentarier regelmäßig die Intendanten der großen hauptstädtischen Staatstheater vor, um sie dann wie Pennäler ob ihrer miserablen Haushaltsführung abzukanzeln. Das kann manchmal berechtigt sein, aber auch schnell in Provinzialismus abgleiten, wenn kulturferne Lokalpolitiker berühmte Regisseure darüber aufklären, wie sie ihre Spielpläne auszurichten hätten.

Am heutigen Montag dürfte im Abgeordnetenhaus wieder explosive Stimmung herrschen. Denn der Entwurf für den Doppelhaushalt von Kultursenator Thomas Flierl für 2006/2007 bietet den Parlamentariern diverse Angriffspunkte. Betroffen sind Spitzeninstitutionen der Hauptstadt. Neben dem neuen Fünfjahresvertrag mit den Berliner Philharmonikern (siehe nebenstehenden Artikel) wird auch die Berliner Opernstiftung im Kreuzfeuer der Kritik stehen, weil aufgrund komplizierter Abstimmungsprozesse im Stiftungsrat derzeit noch keine Wirtschaftspläne für die drei Musiktheater der Stadt vorliegen. Auch die Schaubühne muss vortanzen. Sie macht eine strukturelle Unterfinanzierung geltend. Heikel ist dieser Tagesordnungspunkt, weil es hier auch um die Zukunft von Sasha Waltz und Co. in Berlin geht. Von dem Etat der Schaubühne ist die Kooperation des Waltz’schen Tanztheaters mit der Schaubühne abhängig. Höchst umstritten sind außerdem die geplanten Kürzungen bei den Privattheatern und beim Friedrichstadtpalast: Das Revuetheater soll zusätzlich zur bereits beschlossenen Zuschussabsenkung von 700000 Euro eine weitere halbe Million Euro einsparen – Intendant Thomas Münstermann hat bereits erklärt, dies sei unmöglich. Lauter wurde in den letzten Tagen auch der Widerstand gegen den Plan des Kultursenators, die Subventionen für das „Kleine Theater am Südwestkorso“ sowie die „Tribüne“ zu streichen. F.H.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben