Kultur : Expressivität

ECKART SCHWINGER

Jungen Streichern und Bläsern, die mit soviel Impulsivität, soviel rhythmischer Exaktheit und technischem Schneid die ebenso energiestrotzende wie schwierige Konzertmusik für Streichorchester und Blechbläser op.50 von Paul Hindemith über die Bühne bringen, darf man zu ihrem Konzert und Jubiläum gratulieren.Gemeint ist das Bundesjugendorchester, das unter Jörg-Peter Weigle im ausgezeichnet besuchten Konzerthaus sein 30jähriges Bestehen feierte.Daß sein engagiertes Musizieren an diesem Abend einem besonders guten Zweck diente, verdeutlichte der mit einhelliger Zustimmung aufgenommene Hinweis eines Orchestersprechers, daß das zum Feiern nicht aufgelegte Bundesjugendorchester in Anbetracht des Kosovo-Krieges auf den festlichen Jubiläumsempfang verzichtet und statt dessen am Ende für die Kosovo-Flüchtlinge Geld sammelt (insgesamt sind nach Auskunft der Veranstalter 32 308, 84 Mark eingekommen).Auch der Dirigent und Solist spendeten ihre Honorare, und das Konzerthaus verzichtete auf die Saalmiete.Nach dem Hindemith wurden auch Werke von Bernd Alois Zimmermann und Dmitri Schostakowitsch, die wie für diesen denkwürdigen Anlaß komponiert zu sein schienen, mit berührender Eindringlichkeit musiziert.Vor allem das vielschichtige Trompetenkonzert nach dem Spiritual "Nobody knows the trouble I see" von Bernd Alois Zimmermann sorgte an diesem Abend für besondere Nachdenklichkeit.Die unmittelbare musikalisch-menschliche Dimension dieser Musik, die der Kölner Komponist 1954 unter dem Eindruck des Rassenwahns der Nazis geschrieben hat, verfehlte ihre Wirkung nicht.Zumal Reinhold Friedrich die erstaunliche Zeitnähe und Vieldeutigkeit des Stückes mit so flexibler wie farbvoller Tongebung, aber auch mit einer bisweilen ausgesprochen aggressiven, leicht jazzigen Expressivität auf seiner Trompete hervorbrachte.Unter Weigles konzentrierter Leitung vollbrachte das Bundesjugendorchester auch bei der Fünfzehnten von Schostakowitsch eine ebenso spielfreudige wie prägnante Interpretation.

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