F.C. Gundlach Ausstellung : Auf Sand geschaut

Die Galerie CFA gratuliert dem Modefotografen F. C. Gundlach zum 90. Geburtstag mit einer Ausstellung seiner Arbeiten.

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Wollig warm. Ausgerechnet in der Wüste fotografierte Gundlach im Jahr 1972 eine modestrecke mit Kleidern aus Strick.
Wollig warm. Ausgerechnet in der Wüste fotografierte Gundlach im Jahr 1972 eine modestrecke mit Kleidern aus Strick.Foto: F.C. Gundlach

Er hat die Arbeiten selbst ausgesucht und persönlich an den Wänden der Galerie Contemporary Fine Arts gruppiert. Passend zur Zahl seines Geburtstags stellte F. C. (eigentlich Franz Christian) Gundlach der Galerie neunzig seiner schönsten Fotografien zur Verfügung, an denen er am meisten hängt. Unchronologisch, zwischen Zeiten und Orten springend, führt die Ausstellung gleichsam in Denkweise und Stil des Stars der deutschen Modefotografie ein, der bereits in seiner ersten hier ausgewählten Arbeit zu wissen schien, wie sehr es ihm auf den Effekt von Licht und Schatten ankam: Als 21-Jähriger postiert er die Kamera ins dunkle Innere der Kirche seines nordhessischen Geburtsortes Heinebach und fokussiert im Gegenlicht eine im Türrahmen stehende Person. Beides, die Kirche und der unbekannte Mensch, dienen allein der wirkungsvollen Inszenierung.

Vielleicht gehörte das Bild zu den Bewerbungsunterlagen, mit denen Gundlach im selben Jahr, 1947, in die Kasseler Lehranstalt für moderne Lichtbildkunst eintrat, deren Leiter ihn zwei Jahre später mit höchstem Lob – „mein Musterschüler“ – in die Fotografenlaufbahn entließ. Aus dem Musterschüler wurde bald ein gefragter Fotograf, dessen Modereportagen das Bild des neuen Wohlstands in der Bundesrepublik wesentlich prägten. Ehrungen bis hin zum 1997 verliehenen Bundesverdienstkreuz blieben nicht aus, Berufungen in zahlreiche Gremien, eigenes Unternehmertum. Auf der Höhe seines Ruhmes etablierte Gundlach in Hamburg, wo er sich niederließ, 1967 den fotografischen Dienstleistungsbetrieb PPS, dessen Galerie dann Fotografen von Richard Avedon bis Martin Kippenberger und Wolfgang Tillmans zum Durchbruch verhalf. Auch das Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg, 2003 eröffnet und längst ein Wallfahrtsort für Fotofreunde, ist F. C. Gundlachs Idee und Einsatz zu verdanken. Seine eigene und fortwährend ergänzte Sammlung „Das Bild des Menschen“ eröffnet hier immer wieder neue Aspekte der Weltfotografie.

Alles glitzert, alles glänzt!

Um dieses intensive Wirken als Fotokünstler, Kurator und Stifter ließen sich viele Kränze winden. Die in zwei Vitrinen ausgebreiteten Dokumente liefern dafür fast ein Übermaß von persönlichem Material, sei es ein Foto von der Ankunft des 31-jährigen Gundlach in New York 1958 oder der Bescheid über die Auslieferung eines Porsche aus demselben Jahr. Dass dessen stolzer Besitzer gern den Glanz von Stars oder Filmbällen genoss, versteht sich bei seiner früh gesuchten Nähe zur Haute Couture fast von selbst. Doch die steile Karriere beruht auf Leistung, vor allem auf dem Schwung und der Frische, dem enormen Ideenreichtum, mit der er die zuvor eher steife Branche aufgewirbelt hat. Bestes Beispiel dafür ist das großformatige Bild eines anscheinend von schierem Glück überwältigten Paares, das mitsamt seiner Kleidung aus dem Haus von Pierre Chardin einen fein abgestimmten Luftsprung tut, als würde es der Pariser Metrostation in seinem Rücken soeben enteilen (Preis: 15 000 Euro, kleinere Formate zwischen 5000 und 6000 Euro).

Doch nicht allein die scheinbare Leichtigkeit dieser und anderer Bildschöpfungen steckt an, sondern auch die womöglich gar nicht beabsichtigte Ironie, die zuweilen von ihnen ausgeht. Etwa wenn ausgerechnet eine Wüstenlandschaft als passender Ort für warme Strickkleider herhalten muss, die Pyramide von Gizeh die Wirkung der Mode verstärken soll oder ein weibliches Modell auf einem Flugzeug posiert. „Alles glitzert, alles glänzt“, betitelt der Künstler im Nachhinein die raffinierte Komposition von schimmerndem Wasser und Lichtflecken an der Alster, wo Umgebung und Modekreation zu einer fiktiven Einheit verschmelzen. Als wohlstandskritisch könnte man die Begegnung eines ungerührt ins Weite blickenden Models und eines Hamburger Hafenarbeiters auslegen, der in seiner Alltagskluft verwundert an ihr vorbeischreitet. Seine Welt, das sind das Dutzend Schaluppen und der Wald von Kränen hinter ihm, aber wohin gehört das Model? Direkt kritisch wird es, wenn Gundlach neben das Bild zweier herausgeputzter Kinder, mit denen er an der Costa del Sol die neue Kindermode ins Licht setzt, den viel natürlicheren Anblick zweier ungewaschener Rangen in St. Pauli hängt.

Die Seitenstränge seines Werks auch im Blick

Zum Glück öffnet diese Hommage aber auch den Blick für andere Seiten, vielleicht Seitenstränge, im Werk von F. C. Gundlach. Neben stillen Landschaftsbildern sind vor allem Porträts großer Schauspieler zu nennen. Schon von Weitem zieht das frontal aufgenommene Gesicht von Romy Schneider („Die andere Romy“, 1961) an, eine Frau voller Selbstzweifel im Schatten des Ruhms. Viel Empathie strahlt im Gegensatz dazu das Doppelporträt von Simone Signoret und Yves Montand aus, ein verliebtes Paar, 1953 in Paris aufgenommen, einer Zeit der Hoffnung. Den Reportagefotos würde man dagegen mehr Härte wünschen, sie waren sein Fall nicht. Im Iran des Schahs gefällt ihm, wie zwei kleine Mädchen die Fäden eines Webstuhls beiseitegeschoben haben und neugierig auf den Mann da draußen schauen. Ja doch, möchte man rufen und fragen, ob da nicht noch mehr war. Immer sind es vor allem Schönheit, Eleganz und die Schwarz-Weiß-Effekte, die F. C. Gundlach in den Bann ziehen und die er meisterhaft inszeniert.

Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10; bis 10. 9., Di–Fr 11–18, Sa 11–16 Uhr

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