Kultur : Fachverlage gegen Änderungen beim Urheberrecht

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Deutsche Fachverlage protestieren gegen eine ihrer Meinung nach Existenz gefährdende Urheberrechtsänderung. Die geplante Umsetzung einer EURichtlinie in deutsches Recht „enteigne“ Verleger und Autoren, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung wissenschaftlicher Verleger und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Das Gesetz erlaube unter anderem, dass Bibliotheken und Schulen künftig urheberrechtlich geschützte Inhalte beliebig oft vervielfältigen können. Über den Gesetzentwurf will der Rechtsausschuss des Bundestages Mitte März entscheiden.

Der Entwurf enthält einen Paragrafen, der es Schulen, Hochschulen und nicht-kommerziellen Forschungseinrichtungen erlauben soll, Werke für eigene Zwecke ohne Genehmigung zu digitalisieren, ins Intra- oder Internet zu stellen und zu kopieren. „Letztlich brauchen alle deutschen Bibliotheken zusammen dann nur noch jeweils ein Exemplar eines Lehrbuchs oder einer Fachzeitschrift. Das kann für alle Universitäten kopiert und in deren Datennetze gestellt werden“, sagte der Chef des Mohr Siebeck Verlags in Tübingen, Georg Siebeck.

Damit brächen Fach- und Schulbuchverlagen die Umsätze weg. „Die deutschen wissenschaftlichen Verlage werden daran zu Grunde gehen.“ In einer Anzeigenkampagne in der Fach- und überregionalen Presse wollen die Verlage diese Woche die Abschaffung des Paragrafen fordern. „Der Gesetzgeber schickt sich an, die wichtigste Ressource des kommenden Jahrhunderts, das Wissen, zu kollektivieren. Das halte ich für eine glatte Katastrophe“, klagte Siebeck, der Sprecher einer Urheberrechts-Initiative wissenschaftlicher Verlage ist.

Nach Angaben des Börsenvereins beliefen sich allein die Verkaufserlöse mit Fach- und wissenschaftlichen Zeitschriften im Jahr 2001 auf 850 Millionen Euro. Gut ein Viertel davon beruhte auf Verkäufen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Ziel des Gesetzentwurfs sei es, die Kosten für öffentliche Einrichtungen zu senken. Das gelinge jedoch nur kurzfristig, meinte Siebeck. Langfristig würden dadurch die Auflagen sinken und damit die Preise für wissenschaftliche Literatur wesentlich steigen. dpa/Tsp

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