Kultur : "Fadeout": Einsamkeiten - Wie Joseph Hansen erzählt

Gregor Dotzauer

An der Oberfläche sind seine Romane beste Hardboiled-Schule, mit geraden, schlanken Sätzen, und einer Handlung, die nach vorne drängt. Doch nicht nur in "Fadeout" (1970), dem ersten von zwölf Krimis mit dem schwulen Versicherungsdetektiv Dave Brandstetter, geht es Joseph Hansen weniger um den Plot - das Verschwinden eines Radiostars - als um eine Stimmung. Wenn Brandstetter von Bach und Bártok schwärmt, einer Leidenschaft, die sein gestorbener Liebhaber gar nicht teilen konnte; wenn er seiner lesbischen Freundin Madge erklärt: "Die Last der Welt ist die Liebe" - dann kommen eine Unterströmung und ein Vergeblichkeitston ins Spiel, den so niemand anders hat. Joseph Hansen, Jahrgang 1923, ist der Vater des schwulen Kriminalromans - nur dass er nicht wie heute oft die Bedürfnisse einer Zielgruppe im Auge hatte. Man sollte nicht den Fehler machen und die Ignoranz gegenüber Hansens Homosexualität (die in früheren Übersetzungen zu Kürzungen führte) nun ins Gegenteil verkehren. Hansens Romane sind einfach Bücher eines Mannes, der vielleicht etwas einsamer war als andere Menschen, mit dem Älterwerden besondere Probleme hatte, und wie sein 44-jähriger Protagonist für das reine Vergnügen in der Liebe schon verdorben war. "Fadeout" eröffnet eine komplette Neuausgabe der Brandstetter-Romane. Eine verlegerische Großtat - wenn der dilettantisch gemachte Umschlag nicht wäre, der Hansens literarischen Ehrgeiz nicht Ernst nimmt.

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