Kultur : Fahren Sie nach Neuseeland

Musiker aus Auckland bei Young Euro Classic

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Als „Neuseeland-Fan“ hält Dietrich Mattausch ein feuriges Plädoyer für den Inselstaat, das geeignet wäre, auf der ITB unterm Funkturm Touristenströme in sein Paradies zu locken. Beim Young-Euro- Classic-Festival begrüßt der Schauspieler als Abendpate das Auckland Youth Symphony Orchestra.

Die fünfzig Musiker haben zirka 36 Stunden Flug hinter sich gebracht, um diesen herzlich empfangenen Auftritt im Berliner Konzerthaus zu erreichen. Da ist es doch bedauerlich, dass ihr Programm nach der sensibel eingefädelten und gesteigerten „Hebriden“-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy nur noch eher entbehrliche Musik bringt.

Denn Dirigent Antun Poljanich aus Kroatien, der seit 1996 in Neuseeland lebt, verfügt offenbar über exzellente pädagogische Gaben. So erklingt die „Sinfonietta“ (1947) von Francis Poulenc in ihrer Eleganz des Satzes mit frischer Präzision. Eine halbe Stunde Charme und Besinnlichkeit, ein bisschen langweilig. Hätte es nicht für ein Werk der größeren Vorbilder Mozart oder Haydn gereicht? In Auckland, der Stadt der Segelboote, residiert immerhin ein Auckland Philharmonia Orchestra.

1945 komponiert, wird Richard Strauss’ Oboenkonzert von allen namhaften Oboisten gespielt – ob Holliger, Schellenberger oder Albrecht Meyer –, weil das Instrument nicht mit Virtuosenfutter gesegnet ist. Abgeklärter, später Strauss, mit dem sich hier Thomas Hutchinson, noch Student in Melbourne, als empfindsamer Melodiespieler bewährt. Zur Uraufführung kommt ein romantischer Aphorismus „between“ von dem 23-jährigen Komponisten und Geiger Alex Taylor, der sein Handwerk versteht. Die Musik singt und zwitschert, als wollte sie mit Mattausch sprechen: „Fahren Sie nach Neuseeland!“ Sybill Mahlke

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