Kultur : "Falco meets Amadeus": Im September ist Premiere

Sebastian Schneller

Pressekonferenzen sind wie der Werbespot mit den zwei Typen, die sich nach Jahren wiedertreffen und in dem der eine den anderen mit seinen Fotos zu beeindrucken versucht: "Meine Bühne", "meine Lampen", "meine Kostüme", "meine Musik", rufen Bühnenbildner, Maskenbildnerin, Komponist, und finden kaum Worte, ihrer Begeisterung über die anstehende Welt-Uraufführung von "Falco meets Amadeus" angemessenen Ausdruck zu verleihen.

Der Komponist Johnny Bertl spricht vom Glücksgefühl, der Welt erstes Pop-Musical geschrieben zu haben, als ob Andrew Lloyd Webber nie komponiert hätte. Die anderen begnügen sich mit "ganz toll", "gigantisch", "unheimlich energetisch". Wo die Worte nicht reichen, sollen Zahlen sprechen: Über 223 Kostüme, zehn Mal soviele wie Darsteller auf der Bühne bietet die Premiere, 70 Lautsprecher allein im Bühnenraum verteilt und tatsächlich dreizehn Falco-Hits, alle neu arrangiert, wie Bertl versichert. Leider erfüllen die Demonstrationen nicht ganz die Erwartungen, die die Statistik schürt.

Hin und her fahrende Bühnengerüste, selbst wenn sie knapp über der Erde auf Luftpolstern schweben, wirken ohne Kulissen nur halb so beeindruckend. Das Farbenspiel der brandneuen Computergesteuerten "moving lights" sehen nicht anders aus, als in jeder Land-Disco. Und das Musikstückchen aus Mozart-Motiv und Falco-Rap erinnert daran, dass Pop auch immer was mit Plastik zu tun hat.

Einzig allein das kleine Bühnenmodell lässt etwas vom großen Ereignis erahnen: Eine Bühne in der Bühne hat Jakob Niedermeier entworfen: Im barocken Rahmen agieren Falco und Zeitgenossen in 80er-Jahre-Ambiente, gespielt wird auf, über und neben der Bühne. Die Fortsetzung vom Werbespot mit den beiden Männern. Könnte auch lauten: "Mein Star" und da die beiden Hauptdarsteller auf dem Podium noch fehlen, bekommt Autor Burkhard Driest die Rolle: Der spielt souverän und setzt die Sonnenbrille erst ab, als er dran ist mit erzählen.

Der Ex-Bankräuber, Ex-Knacki, Ex-Romy Schneider-one-night-stand und Peter-Zadek-Autor hatte gar keine Lust auf die "Falco-meets-Amadeus"-Geschichte. Erst als ihm ein Wiener Taxifahrer erklärte, dass Falco der Mozart der Jetztzeit sei, fiel der Groschen. Driest erzählt den Mythos, nicht die reale Vita des Rappers und der weist beträchtliche Parallelen zu Mozart auf: Auch Falco hat seinen intriganten Salieri zum Gegenspieler und statt des übermächtigen Vaters muss er sich mit der dominanten Mutter herumschlagen.

Und wie sieht es aus mit den Gemeinsamkeiten zwischen Driest und Falco? Unangepasst sind sie beide, die Pose liebt der eine genauso wie der andere. "Wer so narzistisch ist, der ist am Ende, wenn er nicht mehr genug Liebe kriegt," sagt Driest über seinen Helden. Den tödlichen Autounfall erzählt er als Zweikampf zwischen Tod und Falco. Den hätte der Autor, beinahe selbst verloren: damals, als er mit dem Flugzeug über dem Dschungel abstürzte. Aber vielleicht hat Driest nur deswegen überlebt, weil er nur halb so selbstverliebt ist, wie Falco war.

Dass Selbstliebe und gesundes Selbstvertrauen zum Geschäft gehören, beweist unterdessen Intendant und Regisseur Elmar Ottenthal: Seine letzter Trumpf lautet: "Mein Geld". Die Einnahmekurve zeige steil nach oben: Das Verhältnis Subventionen-Kartenverkauf liegen bei eins zu zwei. Bei seinem Vorgänger spielten Musicals gerade mal ein Fünftel der Subventionen ein, erklärt Ottenthal stolz. Mit Falco will er den Schnitt noch verbessern. Die Chancen stehen gut. Schließlich wurde Falcos Hit "Amadeus" sieben Millionen Mal verkauft - ganz ohne Subventionen.

Theater des Westens, ab 23. September.

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