Kultur : Fall Kirchner: Sammler Lauder wehrt sich

Der amerikanische Unternehmer und Kunstsammler Ronald S. Lauder meldet sich im Fall der restituierten „Berliner Straßenszene“ von Ernst Ludwig Kirchner zu Wort. Er missbilligt, dass seine Aussagen „verfälscht und missbraucht“ werden. Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, hat das Bild im November 2006 auf einer Auktion in New York für 38 Millionen Dollar erworben, nachdem der Berliner Senat es im Sommer 2006 an die Erben der früheren, von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen Eigentümer zurückgegeben hatte. Um diese Restitution gab es nicht nur in Berlin eine hitzige Debatte über Recht und Moral, die am vergangenen Freitag mit einem als Anzeige aufgegebenen offenen Brief im Tagesspiegel nochmals aufgenommen wurde.

Eine Reihe von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens fordert darin die jetzige Chefin der Berliner Senatskanzlei, Barbara Kisseler, zum Rücktritt auf. Kisseler war zur Zeit der Rückgabe des Kirchner-Bildes Staatssekretärin in der Berliner Kulturverwaltung und mit dem Fall beschäftigt. Der Verein „Berlin braucht Bürger“ zitiert in der Annonce Ronald S. Lauder aus einem „Stern“-Interview. Dagegen verwahrt sich der Kunstliebhaber.

In seinem Schreiben an den Verein, das dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es: „Sie verwenden das Zitat (,Ich habe mich gewundert, dass Berlin das Bild weggegeben hat, es bestand kein Anlass dazu‘) als Beleg für Ihre Kritik an der Rückgabe-Entscheidung der Landesregierung.“ Lauder erklärt: „ Ich habe damals lediglich meine Überraschung zum Ausdruck gebracht, dass nicht irgendjemand dieses wunderbare Gemälde erworben hat, um es weiterhin in Berlin auszustellen.“ Lauder habe sich in dem Interview gar nicht zur „moralisch wie rechtlich korrekten Entscheidung des Berliner Senats geäußert“, mit der Restitution des Kunstwerks „nach einem von den Nazis erzwungenen Verkauf Wiedergutmachung zu schaffen.“ Für die Rückgabe, so Lauder, „gebührt den Verantwortlichen nichts als Lob“.

In New York unterhält der Sammler die „Neue Galerie“ für Kunst des 20. Jahrhunderts aus Deutschland und Österreich, für die er vor dem Kirchner-Kauf eine noch weit spektakulärere Akquisition getätigt hat: Dabei erwarb er das von der Republik Österreich nach langem Streit den Bloch-Erben restituierte Portrait der Adele Bloch-Bauer von Gustav Klimt für 135 Millionen Dollar. Tsp

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