Kultur : Fall Schäfer: „Großes Bedauern“

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Nach der heftig kritisierten Rede von Hermann Schäfer, dem stellvertretenden Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, zur Eröffnung des Kunstfestes in Weimar am vergangenen Freitag hat sich die Bundesregierung gestern öffentlich entschuldigt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte, er „bedauere außerordentlich“ die durch die Rede seines Abteilungsleiters „ausgelösten politischen Missverständnisse und Beeinträchtigungen“ und ergänzte: „Hermann Schäfer hat sich dafür entschuldigt.“ Ein Sprecher von Neumann erklärte, der Staatsminister werde „den Betroffenen noch mal schreiben und sein großes Bedauern zum Ausdruck bringen. Auch Professor Schäfer wird sich in geeigneter Weise mit den Betroffenen in Verbindung setzen.“ Darüber hinaus sieht der Kulturstaatsminister keine Notwendigkeit für Konsequenzen. Aus Schäfers Rede „eine inhaltliche Veränderung der Gedenkstättenpolitik des Bundes im Hinblick auf die Bewertung und Aufarbeitung der NS-Diktatur abzuleiten, ist völlig abwegig“, sagte er. Die Bundesregierung stehe in der Kontinuität aller Vorregierungen.

Zum Thema Hör-Dokument: Die Weimarer Rede von Hermann Schäfer (mp3-Datei, 23 KB)

Dieses Bekenntnis und die Entschuldigung von Schäfer reichen den Kritikern nicht aus. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ist über die Rede und Schäfers Verteidigung „regelrecht entsetzt.“ Wie er dem Tagesspiegel sagte, habe Schäfer „durch seinen Auftritt die Bundesregierung desavouiert und dem Ansehen Deutschlands geschadet. Das erzeugt Zweifel an seiner politischen Qualifikation. An der Aufgabe, eine angemessene Gedenkrede zu halten, ist er offensichtlich gescheitert.“ Die Vorsitzende des Bundestagskulturausschusses, Monika Griefahn (SPD), forderte Schäfer zum Rücktritt auf. „Wenn er ein bisschen Anstand hat, gibt er sowohl Amt als auch Professorentitel zurück.“ Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte gegenüber dem Tagesspiegel, die Rede sei eine Beleidigung der anwesenden Holocaust-Opfer. „Die Entschuldigung von Hermann Schäfer setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Seine Rede wäre auch nicht angemessen gewesen, wenn keine KZ-Opfer in der ersten Reihe gesessen hätten.“ Für Knobloch sind seine Äußerungen ein „deutliches Zeichen für den seit Monaten betriebenen Paradigmenwechsel in der Erinnerungspolitik.“ Der Münchner Historiker Michael Wolfssohn hingegen sagte: „Einen so bewährten, unverdächtigen Mann zu stigmatisieren, ist unredlich. Wieder soll ein aufrechter, absolut integrer Konservativer in die rechte Ecke gedrängt und zum Schweigen gebracht werden.“ Schäfer hatte in seiner Ansprache in Weimar nicht über die Opfer des nahe gelegenen KZ Buchenwald gesprochen, sondern die Opfer von Flucht und Vertreibung der Deutschen im Osten in den Mittelpunkt gestellt (Rede im Wortlaut unter www.tagesspiegel.de/schaefer). Tsp

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