• Fall Ulrike aufgeklärt: Fingerabdruck auf einer Flasche - Wie die Polizei dem Täter auf die Spur kam

Kultur : Fall Ulrike aufgeklärt: Fingerabdruck auf einer Flasche - Wie die Polizei dem Täter auf die Spur kam

Michael Mara

"Ich habe mit einer längeren Nervenprobe gerechnet", gesteht der leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber ein. Auch sie sei überzeugt gewesen, dass "wir mehr Zeit brauchen, um den Mörder von Ulrike Brandt zu ermitteln", konstatiert die Eberswalder Polizeipräsidentin Uta Leichsenring auf der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Potsdamer Innenministerium. Schließlich seien knapp 4000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen und knapp 2000 Spuren an den Tatorten gefunden worden. "Ihre Überprüfung kostet Zeit." Um so größer ist auch die Erleichterung der beiden.

Kein gutbürgerlicher Täter

Zum Thema Chronologie: Der Mordfall Ulrike Dass die Polizei am Mittwoch gegen 14 Uhr in Fürstenwalde den 25-jährigen wegen Eigentumsdelikten vorbestraften Stefan J. festnehmen konnte, obwohl noch längst nicht alle Hinweise und Spuren überprüft waren, ist der so genannten Rasterfahndung zu verdanken: Die Sonderkommission überprüfte im Zuge ihrer Ermittlungen von vornherein drei Personengruppen: Strafgefangene und Insassen des Maßregelvollzuges, Sexualstraftäter sowie Autodiebe. Letztere deshalb, weil der Täter nach den Ermittlungen der Polizei einen in Strausberg gestohlenen VW Polo benutzt hatte, den er nach der Ermordung des Mädchens in Bernau anzündete, um Spuren zu vernichten. "Wir lagen mit unserer These richtig, dass es sich nicht um einen gutbürgerlichen Täter mit Tarnkappe handelt, sondern um einen Allgemeinkriminellen", hobt Weber hervor.

Tatsächlich gelang den Fahndern bei der Überprüfung von Autodieben der Volltreffer, da der einschlägig vorbestrafte und damit erkennungsdienstlich registrierte Stefan J. am Tatort in Werneuchen auf einer Flasche einen Fingerabdruck hinterlassen hatte. Allerdings mussten die Kriminaltechniker diesen wegen der schlechten Qualität aufwendig bearbeiten. Deshalb war beim ersten maschinellen "Suchlauf" das Ergebnis noch negativ. Doch nicht allein wegen der zweifelsfreien Übereinstimmung der Fingerabdrücke steht für Polizei und Staatsanwaltschaft fest, dass der aus einem gestörten Milieu stammende Sozialhilfeempfänger sein Opfer entführt, missbraucht und schließlich erdrosselt hat: Auch nach dem eiligst vorgenommenen DNA-Vergleich, auch genetischer Fingerabdruck genannt, ist Stefan J. der Täter.

Unter der erdrückenden Beweislast legte er in der bis nach Mitternacht dauernden Vernehmung ein umfassendes Geständnis ab: Dabei beschrieb Stefan J. den ermittelnden Beamten ausführlich auch den Tatort und den Tathergang. Aus ermittlungstaktischen Gründen waren von den Ermittlern viele Details auch vor den Medien geheimgehalten worden. Dennoch gibt es Fragezeichen, sind Nachermittlungen nötig.

Am Tag der Entführung erdrosselt

So behauptet Stefan J. in seinem auf 64 Seiten niedergeschriebenen und in der Nacht von ihm unterzeichneten Geständnis, dass er seinem Opfer nicht gezielt aufgelauert habe. Vielmehr will er es nahe Eberswalde versehentlich angefahren und in Panik in das gestohlene Fahrzeug gezerrt haben. Erst auf der Fahrt will ihm der Gedanke gekommen sein, die Schülerin zu missbrauchen und zu töten. Weber: "Das muss nicht in allen Teilen richtig sein."

Hingegen bestätigte Stefan J. die These der Ermittler, dass er sein Opfer noch am 22. Februar, dem Tag der Entführung, erdrosselte. Das rote T-Shirt, das am Tatort gefunden wurde, will er in Berlin entwendet haben. Nach dem Auffinden der Leiche waren Massen-Speicheltests gefordert worden, um den Mörder zu überführen. Die Reaktion war gespalten. Oberstaatsanwalt Weber meinte, er sei froh, dass man sich nicht dazu entschlossen und sich das Vertrauen in die Polizei als richtig erwiesen habe.

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