Familiendrama "Jonathan" : Vaters Gesicht in meinen Händen

Mutiges Familiendrama unter Bauern: Der Film „Jonathan“ im Panorama packt gleich zwei Tabuthemen an - Tod und Homosexualität.

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Andre Mr. Hennicke und Thomas Sarbacher in "Jonathan".
Andre Mr. Hennicke und Thomas Sarbacher in "Jonathan".Foto: Jeremy Rouse

Der eine – alt, ausgemergelt und vor Schwäche zitternd wie Espenlaub. Der andere – jung, athletisch und überwältigt von zärtlicher Fürsorglichkeit. Selten sind Vater und Sohn schon physisch ein so prägnantes Doppel wie in Piotr J. Lewandowskis Familiendrama „Jonathan“. Die Hauptrolle des Jungbauern Jonathan spielt Jannis Niewöhner, der jüngst als gewalttätiger Psychiatrie-Insasse in Theresa von Eltz’ Jugenddrama „4 Könige“ überzeugte. Und wenn Niewöhner in der Eingangssequenz den todkranken Vater im tropfnassen Wald aufliest und dessen zerfurchtes Gesicht in beide Hände nimmt, hat das verdammt viel sexy-melancholischen James-Dean-Appeal.

Den an Hautkrebs dahinsiechenden Vater spielt André Hennicke. Der kann bekanntlich viel sein, aber den Altbauern nimmt man ihm keine Sekunde ab. Wie der Spielort, ein pittoresker Bauernhof in einem idyllisch grünen Schwarzwald-Tal, überhaupt schwer nach Kulisse riecht. Nur Barbara Auer, die Martha, die Schwester von Vater Burghardt spielt, wirkt beim Ausmisten des Stalls einigermaßen authentisch.

Der Eindringling am Sterbebett

Dass das rustikale Setting Tradition, Enge und Kommunikationsarmut symbolisiert, wird endgültig klar, als das Eintreffen von Burghardts Jugendfreund Ron (Thomas Sarbacher) einen alten Konflikt zwischen Bruder und Schwester aufbrechen lässt. Nicht lange, und Jonathan, der sich selbst Hals über Kopf in Vaters neue Pflegerin Anka (Julia Koschitz) verliebt, entbrennt in Eifersucht auf den Eindringling am Sterbebett.

Piotr J. Lewandowski packt mit seinem zu Recht preisgekrönten Drehbuch gleich zwei Tabuthemen an: Tod und Homosexualität. In einer atemstockend dichten, von Sarbacher und Hennicke beeindruckend verkörperten Szene spannt er gar beides zusammen. Dass vor diesem stimmig inszenierten Konflikt das Coming-of-Age-Drama des Jungbauern etwas abfällt, tut dem mutigen Unterfangen des Regisseurs, einen menschlich, also körperlich intensiven Film zu machen, keinen Abbruch.

12.2., 22.30 Uhr (Cinemaxx 6), 13.2., 20.15 Uhr (Cinestar 3), 14.2., 20 Uhr (Cubix 7/8, 15.2., 22.30 Uhr (Colosseum 1), 20.2., 14 Uhr (International)