Kultur : Familienfest und andere Langsamkeiten

FORUM

Silvia Hallensleben

Vor mittlerweile acht Jahren – wie die Zeit auch im Kino vergeht! – hat die französische Regisseurin Yolande Zauberman mit ihrem Techno-Märchen „Clubbed to Death“ das Publikum verzaubert. Bekannt geworden war sie zuvor mit der Schtetl-Geschichte „Ivan und Abraham“ (1993). Jetzt ist sie ins Forum zurückgekommen mit einem Film, der sich am treffendsten als ein auf Spielfilmlänge aufgeblasenes Homevideo beschreiben lässt. Doch im Publikum bestand offensichtlich wenig Lust, sich auf Familienfeste und überbelichtete Urlaubsimpressionen der Zaubermans einzulassen. Schließlich sind schon die Zusammenkünfte der eigenen Familie langweilig genug. So war die konstante Abwanderungsbewegung aus dem Zuschauerraum bei der Premiere von Paradise Now fast das spannendste Beobachtungsobjekt, weil der kollektive Daueraufbruch der beleidigten Aufmerksamkeit echten Stoff bot. Der Nebenmann rechts ist trotz des erhöhten Geräuschpegels in friedlichen Schlummer verfallen, während das nervöse Rascheln linkerhand den nächsten Abgang ankündingt. Am Schluss – Abwanderungsrate fast fünfzig Prozent – waren in dem anfangs voll besetzten Kino selbst die begehrtesten Plätze wieder zu haben. Im anschließenden Gespräch rühmte sich Frau Zauberman dankbar für die Gelegenheit, ihren „schwierigen“ Film zu zeigen. Zahlende Zuschauer werden vermutlich anders denken.

Heute 17.45 Uhr (Arsenal)

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