Familienfilm : Gesellschaftskritik auf dem Rücken der Pferde

Vor langer Zeit im Atlasgebirge spielt die Geschichte von "Zaina - Königin der Pferde", die uns die elfjährige Araberin Zaina (Aziza Nadir) erzählt. Sie hat gerade ihre Mutter Selma verloren.

Berlin - Weil sie ihren reichen Stiefvater Omar (Simon Abkarian) für deren Tod verantwortlich macht, lehnt sie es beim Begräbnis ab, mit ihm zu leben. Stattdessen geht sie mit ihrem leiblichen Vater Mustapha (Sami Bouajila) fort, der erst nach Selmas Tod von Zainas Existenz erfahren hat. Der Nomade soll die besten Reiter seines Stammes nach Marrakesch führen, wo sie an einem berühmten Pferderennen teilnehmen wollen.

Beim weiten Weg durch Wüsten und über Berge warten tiefe Felsspalten und rutschige Abstiege, aber auch hinterhältige Pferdediebe, die keine Gefangenen machen. Außerdem will der mächtige Omar Zaina nicht aufgeben und greift mit seinen bewaffneten Gefolgsleuten immer wieder Mustaphas Gruppe an. Auf der beschwerlichen Reise kommen sich Vater und Tochter allmählich näher, bis endlich am Horizont Marrakesch auftaucht.

Geschichte der arabischen Gesellschaft

Die Formulierung "Es war einmal...", von Zaina im Off vorgetragen, gibt den Ton des französischen Films vor, der zunächst an die Sagen aus "Tausend und einer Nacht" erinnert. Doch der Regisseur Bourlem Guerdjou packt in die Märchengeschichte reichlich Konfliktstoff aus der arabischen Gesellschaft, die noch heute von einem patriarchalischen Denken geprägt ist und Frauen kaum Entfaltungsmöglichkeiten gibt.

Zaina fungiert in diesem Zusammenhang als Hoffnungsträgerin: Sie wiederholt quasi die wagemutige Tat ihrer Mutter, die verbotenerweise am Pferderennen teilgenommen und es sogar gewonnen hat, dafür aber von ihrem Mann verstoßen und der männlich geprägten Gesellschaft geächtet wurde. Indem Zaina als Junge getarnt mit dem Einverständnis ihres Vaters auf dessen Vollblutpferd ins Rennen geht, eröffnet sie sich die Chance, ihren Peiniger Omar endlich loszuwerden.

Gewinner des Publikumspreises von Locarno 2005

Die schwierige Beziehung zwischen Tochter und Vater, die sich einander zuerst sehr fremd sind, auf dem langen Weg aber zusammenwachsen, steht im Mittelpunkt der Erzählung. Die vielen Kämpfe mit Widersachern und Unbilden der Natur bleiben letztlich dramaturgische Garnitur: Sie sind außerdem zu episodisch angelegt, um höhere Spannungsgrade aufzubauen.

Dass die Darsteller, allen voran die begabte junge Azir Nadir als Zaina, ihre Aufgaben solide lösen, tröstet darüber hinweg, dass der Ausgang der Story recht vorhersehbar ist. Trotz solcher Schwächen ist "Zaina" ein attraktiver Abenteuerfilm für Kinder und Familien. Das hat er mit dem Publikumspreis beim Filmfestival von Locarno 2005 schon bewiesen.

"Zaina - Königin der Pferde", Frankreich/Deutschland 2005, Jugendfilm, 100 Minuten, FSK: 6, Regie: Bourlem Guerdjou, Darsteller: Azir Nadir, Sami Bouajila, Simon Abkarian, Michel Favory, Assaad Bouab u.a., Kinostart: 19. Oktober 2006

(Von Reinhard Kleber, ddp)

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