Kultur : Familienscherz - Britisches Stolpern

Susanna Nieder

Der amerikanische Zweig der Mafia ist bekanntlich eine Fundgrube für Kinofilme. Hat man weder Thriller noch Milieustudie im Sinn, lässt sie sich immer noch als Aufhänger für allerhand possierliche Umstände benutzen. Diesen Sommer hatten wir schon Robert de Niro als tumben Paten und Billy Crystal als dessen unfreiwilligen Analytiker in "Reine Nervensache", einer halbwegs gelungenen Komödie. "Mickey Blue Eyes" ist eine weitere Variation zum Thema. Der Kontakt vom Syndikat in die normale Welt wird diesmal über einen Engländer hergestellt. Der junge Mann ist das ganze Gegenteil eines New Yorker Mafioso: kultiviert, ehrlich und etwas verklemmt. Wer spielt ihn? Na wer wohl. Hugh Grant selbstverständlich.

Oder andersherum gefragt: Was könnte Hugh Grant sonst schon spielen? "Notting Hill", ebenfalls in diesem Sommer, schien nach langer Zeit der Beweis zu sein, dass er zumindest diese Rolle wirklich drauf hat. Die Überzeugung hielt nicht lange vor. In "Mickey Blue Eyes" sieht man wieder, wie eng das Variationsvermögen dieses Schauspielers ist. Wenn nicht Drehbuch, Ensemble und Regie ausgezeichnet sind wie in "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (1994), "Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam" (1995) oder "Notting Hill", wird er steif wie ein (zugegeben gut aussehender) Schirmständer. Nicht nur spielt ihn seine Filmpartnerin Jeanne Tripplehorn in "Mickey Blue Eyes" an die Wand, sondern er soll auch noch jemanden darstellen, der sich nicht verstellen kann. Und einem schlechten Schauspieler zuzusehen, der einen schlechten Schauspieler spielt, ist ehrlich kein Vergnügen.

Grant spielt einen Mitarbeiter in einem britischen Auktionshaus in New York. Seine Verlobte Gina (Tripplehorn) stammt aus einer Mafia-Familie und will ihn nur heiraten, wenn er sich aus deren Machenschaften heraushält. Nichts leichter als das, denkt er sich und gerät sofort in Schwierigkeiten. Lügen, Korruption, Leichen und das FBI kreuzen seinen Weg, und wer jemals einen Film mit Hugh Grant gesehen hat, kann sich das Gestotter und Gedruckse vorstellen.

Es liegt allerdings nicht nur an ihm, dass sich der Film hinzieht wie Kaugummi. Witze werden ausgewalzt, bis sie endgültig den Geist aufgeben, ganze Sequenzen sind vorhersehbar, und letztendlich ist es dem Betrachter schnurz, ob das Paar sich kriegt oder nicht - für eine Boy-meets-Girl-Geschichte eine eher problematische Bilanz. Da setzte Hugh Grants Lebensgefährtin Liz Hurley als Produzentin zwar auf das ihr nächstliegende Pferd, aber einen Blumentopf hat sie damit nicht gewonnen.In 15 Berliner Kinos, OV in der Kurbel

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben