Kultur : "Fan yi cho Lavendel": Der Geruch des Geliebten am Morgen

Janine Ludwig

Ein Thema wie eine Hypothek: Ein Engel soll eine um ihren toten Geliebten trauernde Frau aus dem Tal der Tränen zurück ins Leben führen. Hat ein Film da überhaupt eine Chance, der Pathosfalle zu entgehen? Zeitweise schon. Indem er den Uralt-Topos mit einem Augenzwinkern und die romantischen Bilder mit schnellen, surrealen Schnitten präsentiert. Und indem er dem Engel das Ätherische nimmt: Er darf strippen und Frauen betören wie der süße Fratz in der Cola-Light-Werbung. Dazu enthält Ip Kam-Hungs Philosophieren über die Liebe auch ein paar Körnchen Wahrheit. Ein Engel, der von Liebe lebt, darf nicht kleinlich sein und nimmt neben der einen "wahren" Liebe (seufz!) auch die Anbetung seines schwulen Nachbarn und die hysterische Begeisterung ausgehungerter Nachtclub-Besucherinnen für seine Erscheinung dankend entgegen. Wie menschlich.

Bei der Suche nach der wahren Liebe ist dann aber Schluss mit lustig. Die Botschaft - verschwende nicht deine Zeit an Verlorenes, sondern gib der Zukunft eine Chance - muss der Protagonistin Athena förmlich eingetrichert werden. Nur Engel können so geduldig sein. Und nur Frauen so störrisch. Zermürbend, wie Athena daran festhält, in ihrem Aromaladen den richtigen Duft zum Glücklichsein mischen zu wollen, wo ihr doch offensichtlich nicht einmal der titelgebende Lavendel helfen kann. Es stimmt schon: Das einzig Wahre ist der Geruch des Geliebten am Morgen. Aber wie soll man Schauspielern in olfaktorische Sphären folgen, wenn man sie nur ständig schnuppern sieht? Vielleicht half es ja, dass die Kinos in Hongkong bei den Vorführungen von "Fan Yi Cho" beduftet wurden.

Die anrührendsten Szenen hat ohnehin der schwule Nachbar. Anfangs eher eine Witzfigur, gewinnt er an Größe, weil er im Wettlauf um die Liebe zwar immer den Kürzeren zieht, aber trotzdem nicht aufgibt. Und als Athena aus ihrer Lethargie erwacht und endlich versteht, was der Zuschauer schon lange weiß, nämlich wer dieser Engel wirklich ist, da schnappt sie zu, die Pathosfalle: mit himmlischen Chören, pastosen Bildern (eine Taube!) und herziger Traumsequenz (Büffel?!). Oh je.

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