Kultur : "Fandango": Das giftgrüne Leuchten

Frank Noack

Misslungene deutsche Filme sind selten interessant misslungen. Gute schlechte Filme bringt sonst nur Hollywood zustande. Aber jetzt gibt es "Fandango": total bescheuert, unfassbar, wie solch ein Drehbuch Geldgeber finden konnte - und doch hat der Film das gewisse Etwas, das einen gebannt auf die Leinwand starren lässt. Zu verdanken haben wir diesen Film Matthias Glasner ("Die Mediocren", "Sexy Sadie"), einem Regisseur, mit dessen Stilwillen hierzulande nur Tom Tykwer konkurrieren kann. Während Tykwer sich um philosophische und spirituelle Dimensionen bemüht, lässt Glasner seinen niederen Instinkten freien Lauf. Dumme, rücksichtslose Menschen bevölkern seine Filme. Nirgendwo ist eine Stimme der Vernunft zu vernehmen. Und das wirkt irgendwie befreiend.

"Fandango" bedeutet so viel wie Chaos oder Rausch. Ausgelöst wird das Chaos durch die permanent zugekiffte Shirley Maus (Nicolette Krebitz), die Freundin des Clubbesitzers Lupo (Richy Müller). Weil Lupo seinen Safe für sie aufgelassen und Shirley Maus achtlos hineingegriffen hat, haben beide die Drogendealerin Duke (Corinna Harfouch) am Hals, eine Kampflesbe mit kahlrasiertem Schädel. Der heruntergekommene DJ Sunny Sunshine (Moritz Bleibtreu) wird in den Konflikt hineingezogen.

Am liebsten hätte Glasner seinen Film in Hongkong gedreht. Er musste sich mit Köln begnügen, das dann von der virtuosen Kamerafrau Sonja Rom in eine Traumlandschaft verwandelt wurde. Sie arbeitet nur mit Kunstlicht und geht die ganze Farbpalette durch: Zungen leuchten grün im Dunkeln. Die Dialoge wurden komplett nachsynchronisiert. Es fallen Sätze wie "Steck deine Nase in meine Bücher, aber nicht in meine Frauen", "Ich suche das Riesenarschloch mit dem Minipimmel" oder "Deine Wirklichkeit ist mir zu pissig". Zum Finale wälzen sich Harfouch (in Latex) und Krebitz (im Pelz) in einem Pool. Kann jeder phantasievolle Dilettant einen Film wie "Fandango" drehen? Keineswegs. Die Kombination einer dummen Geschichte mit hoher technischer Kunstfertigkeit macht den Reiz des Films aus. Kultstatus dürfte ihm sicher sein.

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