Kultur : Fangemeinde

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf über Abonnenten,

die ein eigenes Orchester gründen

Alle rühmen die einzigartige Vielfalt des Berliner Orchesterbiotops mit seinen acht charakterstarken Klangkörpern. Aber wer spricht von ihrem Publikum? Wenn überhaupt, dann taucht es als statistische Größe auf. Davon, dass die Gefolgschaften der einzelnen Orchester wie auch der drei Opernhäuser eine durchaus heterogene Masse bilden, ist so gut wie nie die Rede. Und erst recht nicht von der Tatsache, dass die Orchester ihr Publikum – vor allem die Abonnentengemeinde – durch konsequente Programmpolitik geprägt haben. Besonders gilt das für die Abonnenten des Deutschen Symphonie-Orchesters , das sich, als es noch RIAS- Symphonieorchester hieß, gegen die Philharmoniker behaupten musste. Als ewiger Zweiter hat sich das DSO eine Hörerschaft erarbeitet, die sowohl zeitgenössischer Musik relativ aufgeschlossen gegenübersteht, als auch unkonventionelle Programme mit Begeisterung aufnimmt. Vor einigen Monaten startete es ein wagemutiges Projekt: Etwa 60 Stammhörer gründeten das Abonnenten-Orchester des DSO, das heute Abend sein Debüt im Haus des Rundfunks (Großer Sendesaal) mit Werken von Vivaldi, Mozart und Schubert gibt. Dem Hauptwerk des Abends, Schuberts fünfter Sinfonie, hat Chef Kent Nagano höchstselbst den letzten Schliff gegeben. Denn es kommt nicht nur darauf an, neue Hörer zu gewinnen. Man muss die behalten, die schon da sind.

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