FANTASY„Harry Potter und der Orden des Phönix“ : Terror in Pink

Christina Tilmann

Sehnsüchtig erwartet – und doch nicht mehr als ein Cliffhanger zum 21. Juli, wenn der siebte und letzte Band von J. K. Rowlings Zauberepos erscheint. Die Verfilmung von Band 5, „Harry Potter und der Orden des Phönix“, kommt zwar passend, um vor der letzten Schlacht noch einmal die verwickelten Konflikte zwischen Tod-Essern und Phönixorden-Mitgliedern, Dumbledore-Anhängern und Potter-Feinden in Erinnerung zu rufen. Und doch ist, angesichts der Frage „Stirbt Harry oder nicht?“ selbst der tragische Tod von Harrys chaotischem Patenonkel Sirius Black (Gary Oldman) nicht mehr so wichtig.

Was ungerecht ist. Denn die Fassung, die Regisseur David Yates mit seinem Drehbuchautor Michael Goldenberg auf 138 Minuten erarbeitet hat, ist – anders als die vorangegangenen beiden Filme – eine schlüssige, spannende Zusammenfassung, die auch verstehen kann, wer die Buchvorlage nicht kennt. Mit Effekten wird nicht gespart: Es gibt einen rasanten, James-Bond-artigen Besenflug über die Themse, ein Riesenbaby, das wie King Kong eine besondere Zuneigung zu Hermine (Emma Watson) und vor allem den großen Showdown im Zaubereiministerium hat, bei dem neben der Armee der Tod-Esser, angeführt durch die wahnsinnige Bellatrix Lestrange (erkennbar mit Spaß dabei: Helena Bonham Carter), auch Lord Voldemort persönlich (Ralph Fiennes) auftaucht. Feuer, Wasser, Eis, alle Elemente sind im Spiel, in einigen Imax-Filmtheatern gibt es die Sequenz sogar in 3-D.

Doch die wahre Stärke des Films liegt in zwei Neuzugängen. Die verträumte Luna Lovegood, die sich zur Schar der Harry-Unterstützer gesellt, wird von Debütantin Evanna Lynch als selbstbewusstes Hippie-Mädchen mit bloßen Füßen und mondäugigem Blick verkörpert. Und die grausame Lehrerin Dolores Umbridge, die im Auftrag des Zaubereiministers über ganz Hogwarts herrscht, hat in Imelda Staunton eine kongeniale Interpretin gefunden, die den ganzen Terror hausmütterlicher Spießigkeit ausspielt – ein Albtraum in Altrosa. Nichts mehr für Kinder, dieser Film. Aber richtiges Kino. Spektakel mit Staraufgebot. Christina Tilmann

„Harry Potter und der Orden des Phönix“, USA 2007, 138 Min., R: David Yates, D: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Gary Oldman

0 Kommentare

Neuester Kommentar