Kultur : Fantômas: Dekonstruktion im Columbia Fritz

Jan-Arne Sohns

Fantômas: Mike Patton, Buzz Osborne Dave Lombardo und Trevor Dunn. Ex-Faith-No-More-Sänger, Melvins-Gitarrist, Ex-Slayer-Schlagzeuger. Die alternativen Allstars dekonstruieren, zerhacken im Columbia Fritz dröhnend den Sockel, auf dem ihre eigenen Denkmäler stehen. Brachial, überfallartig, alle paar Sekunden ein anderer Takt. Nichts als Fragmente: bratende Gitarrenriffs, Doom und Death Metal, rasende Bassdrums, Grindcore-Geknüppel. Nichts als Zitate, Klischees: Metacore. Im Publikum tanzen vier Leute Pogo. Der Rest steht, staunt und denkt. Pattons Stimme ist nur eines von vier Instrumenten. Er singt in jedem Lied, aber es gibt keinen Text. Sondern "Tschakatschakabumm" und "Mummummummumennemenne". Patton steht hinter einem Tisch voller Sampling-Maschinen und Effektgeräte. Hat drei verschiedene Mikrofone. Gurgelt. Brüllt Stakkatorhythmen. Wirft sich in die Brust wie ein Reichsparteitagsredner. Bricht im nächsten Augenblick, von Schreikrämpfen geschüttelt, in einen Veitstanz aus. Ein Lied beginnt mit einer doomigen Gitarrenwand. Plötzlich Stille. Patton jodelt spastisch. "Määähh!" schallt es aus dem Publikum zurück. Patton brüllt, Osbornes Gitarre fiepst, mit einem Metallzylinder bearbeitet. "Chariot Choogle" von T. Rex beendet das Programm. "Zugabe" brüllt frenetisch das Publikum, das keinen Tropfen Schweiß vergossen hat. "Angel of Death" brüllen Fantômas zurück. Erst eine Coverversion aus dem Soundtrack von "Toy Story 2", dann eine Strophe Slayer: Lombardo covert sich selbst. Patton reißt die Augen auf, breitet die Arme aus, singt: "Welcome to the Realm of Satan". Noch etwas Oldschool-Hardcore, dann das Inferno: Lombardo schwingt zweihändig einen wattegepolsterten Klöppel gegen den senkrecht hängenden Riesengong.

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