Kultur : Farbe ist Traum - Das Australien ist arg bunt geraten

Susanna Nieder

Es gibt einen Moment in "Siam Sunset", in dem der Film endlich abzuheben scheint. Perry (Linus Roache), ein englischer Chemiker, der auf einer klapprigen Bustour durch Australien den Tod seiner Frau zu verwinden versucht, beginnt am Esstisch, Farben zu mischen. Ein bisschen Marmelade, einen Klacks Ketchup, etwas Mayo - er ist konzentriert wie ein Kind beim Spielen. Und simsalabim! hat er den Farbton der Bluse von Grace (Danielle Cormack) nachgemischt, die offensichtlich findet, dass er gar kein so übler Bursche ist.

Aus der Idee der Drehbuchautoren Max Dann und Andrew Knight, ihren Helden auf die Suche nach einer Farbe zu schicken, hätte man einiges machen können. Mit Roache und Cormack hätten auch gute Hauptdarsteller zur Verfügung gestanden. Doch ein Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er ein Roadmovie sein will, eine Liebesgeschichte, ein Splattermovie oder eine Parodie auf alle drei, verliert fast zwangläufig sein Thema aus den Augen. Die stillen Szenen, in denen sich etwas entfalten kann, sind in "Siam Sunset" in der Minderzahl. Anstatt Perrys neu erwachende Lebensfreude zu entwickeln, haben die Autoren und Regisseur John Polson alle Energie darauf verwendet, ihm ein ganzes Arsenal an Knüppeln zwischen die Beine zu werfen. Kurzum: Bald wird einem ganz schwurbelig vor lauter Giftschlangen, rasenden Ex-Liebhabern, zankenden Mitreisenden und Kühlschränken, die aus Flugzeugen fallen.

Das ist stellenweise witzig - nur, wozu braucht die Welt diesen Film? Produzent, Schnitt und Ausstattung wurden 1999 vom Australian Filminstitute ausgezeichnet, das Drehbuch immerhin nominiert. In Cannes gewann "Siam Sunset" letztes Jahr den Publikumspreis der "Semaine de la critique". Wie verschieden die Geschmäcker doch sind.Central, Filmkunst 66, Nord

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