Kultur : Farbe pur: Michael Schackwitz in der Berliner Galerie Raab

Susanne Grieshaber

Schwarz ist eine besondere Farbe. Jahrhundertelang galt sie wie Weiß als Nichtfarbe. Erst im Lauf des 20. Jahrhunderts konnte sie sich auf der Palette als selbständige Gegenstandsfarbe durchsetzen. Wassily Kandinsky war einer der ersten, der in seiner Programmschrift "Über das Geistige in der Kunst" das Schwarz den anderen Farben gleichstellte. In die gleiche Bresche schlug Henri Matisse, als er 1946 anlässlich der Ausstellung "Le noir est une coleure" schrieb: "Die Verwendung von Schwarz in der gleichen Art wie die anderen Farben ist nichts Neues." Doch allein die Tatsache, dass sich immer wieder ganze Ausstellungen in Galerien und Museen dem Thema Schwarz widmen, sind ein Zeichen dafür, dass diese Farbe ihren Sonderstatus noch immer beibehalten hat.

Michael Schackwitz beschränkt die Farbigkeiten in seiner aktuellen Ausstellung "Le Blanc et le Noir" erstmals auf Schwarz und Weiß. Bekannt geworden ist der 43-Jährige Berliner mit farbenfrohen Arbeiten - Akten und Stillleben. Im vergangenen Herbst waren im Rahmen der Ausstellung "Rote Liebe" in der Galerie Raab seine blutroten Rosenbilder zu sehen - ein üppiges Spiel von Formen und Farben.

Nichts mehr davon in seinen neuen Arbeiten. Die Einschränkung der Farbpalette geht bei Schackwitz einher mit der Suche nach mehr Abstraktion. Die reichen Formen sind verschwunden. Wie Schattenrisse wirken die großformatigen Landschaftsbilder. In "Lange Küste" (15 000 Mark) schwappt eine schneeweiße Welle auf einen tiefschwarzen Strand. Daneben geht eine schwarze "Sonne" (17 000 Mark) vor einem kaltweißen Himmel auf. An der Wand gegenüber stoßen die Spitzen eines finsteren Bergmassivs abrupt in den hellen Untergrund. Struktur gewinnen diese Bilder vor allem durch ihre taktile Oberflächengestaltung, denn Michael Schackwitz spachtelt die Farbe fingerdick auf die Leinwand.

Bei den Papierarbeiten verwischen die Formen dann fast gänzlich, die schwarze Tusche ist in großzügigen Strichen auf Büttenpapier aufgetragen. Himmelserscheinungen wie eine "Wolke" (2700 Mark) und der "Mond" (4000 Mark) werden zu abstrakten Formen in monochromem Schwarz. Manchmal ist nur noch eine weiße Horizontlinie vorhanden. Dann erinnern die Arbeiten entfernt an den Abstrakten Expressionismus eines Barnett Newman mit seinen horizontalen "zips", die die Leiwand durchteilen. Schackwitz ist sich sehr wohl bewusst, in welcher Tradition er mit seinem puristischen Farbverständnis steht. Schrecken scheint ihn das jedoch keineswegs: Für ihn ist Schwarz eine Entdeckung.Raab Galerie, Potsdamer Straße 58, bis

19. Februar; Montag bis Freitag 10-19 Uhr

Sonnabend 10-16 Uhr.

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