Kultur : Farbobjekte: Malgründe - Weltgründe

Klaus Hammer

"Quadro blau weiß rot", "Quadro Himmel", "Sehfeld sturmblau, zinnober oder gelb orange", "Farbfalle bordeaux", "Aufbruch pink grau", "Avalonä, das Elysium, wohin der sagenhafte König Artus entrückt wurde" - das sind die Titel von Volker Henzes Arbeiten. Öl auf Leinwand, Gips und Pigmente sind die verwendeten Techniken, die bisweilen durch Draht, Siebe und Schnüre ins Plastische erweitert werden.

Wie ein tachistischer Maler arbeitet der seit 1981 in Berlin lebende Henze nicht nur mit dem Pinsel, sondern auch mit dem Spachtel. In die gespachtelte, durch dicken Farbauftrag haptische Bildfläche werden durchfurchte Spuren eingegraben, die halb getrocknete Farbschicht wieder abgetragen, so dass partienweise die unteren Farbschichten wieder stärker sichtbar werden. Die Farbfläche wird verletzt, überstrichen, neu aufgebrochen. Ein Rosenrot, Karminrot, Gelb, Azurblau, Smaragd und dunkles Veilchenblau spielen wundersam zusammen. Leuchtende und transparente Flecken aus Primärfarben - Rot, Blau, Gelb und Weiß - entfalten sich sanft wie verschwommene Lichtquellen im Nebel vor dem Auge.

Henze hält die Materie in Bewegung und damit in Analogie zum Prozess der Schöpfung. Licht scheidet sich vom Dunkel, Luft von der Materie, es trennen sich Himmel und Erde, lichterfüllte, unbegrenzte Räume entstehen, ein aus Harmonien wie aus Kontrasten aufgebautes Weltall tritt im chaotischen Geschehen der Urschöpfung hervor. Hier erscheint das Bild dicht an der Grenze zum Nichtbild mit einem Gleichnischarakter, der mehr über unsere Welt auszusagen vermag, als jedes deutende Wort es kann.

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