Kultur : Farbrisse

Fotos von Ulrike Lauber in der Galerie Mönch.

Matthias Reichelt
Mauerspuren. Laubers Impressionen stammen unter anderem aus Papua. Foto: Mönch
Mauerspuren. Laubers Impressionen stammen unter anderem aus Papua. Foto: Mönch

Abstrakte Fotografie wirkt häufig malerisch. Auch die Bilder von Ulrike Lauber lassen auf den ersten Blick an fotorealistische Gemälde nach Makroaufnahmen denken, die mit opulentem Farbspiel auf sich aufmerksam machen. Dann wiederum weisen sie mit expressiven Strichen, Kratzern und Feldern in Richtung abstrakter Expressionismus oder auf die Decollagen der Affichisten.

All diese Vermutungen erweisen sich als falsch, denn bei genauem Studium der Fotografien sind Indizien industrieller Architektur mit Spuren von Erosion zu entdecken. Oberfläche, Farbe, Struktur und Schichtungen sind gleichwohl entscheidende Begriffe der Beschreibung der Bilder von Ulrike Lauber. Das ist kein Wunder, denn die hauptberufliche Architektin mit einer Professur in Berlin und Büro in München lässt ihren geübten Blick für Stadtarchitektur und Material auf ihren vielen Reisen nicht zu Hause. Laubers akzentuierte Nahaufnahmen von monochromen Rollläden aus Metall, von Farbrissen an Hauswänden, von schmuckvollen Traljen und ihrem Schattenspiel oder den Holzschichten in den Bäumen Papuas sind visuell attraktive Sujets, deren Kontexte sich erst allmählich erschließen lassen.

Das sich in vielen Schichten überlagernde Zeichensystem einer Urbanität, das Zusammenspiel von verwitterndem Material und dem Agieren der Menschen spiegelt sich ebenso in den Bildern. Motive, die den Betrachter an Schiefergestein denken lassen, sind in Wahrheit Wände mit den Spuren ehemaliger Plakatierung. Aus dem chaotisch anmutendem Wirrwarr lassen sich hier und dort kleine Reminiszenzen schriftlicher Botschaften entziffern, die sich gegenüber Papierfetzen, Metallklammern und Nägeln behaupten. Nach und nach sind Wortreminiszenzen lesbar, die sich zu perfekter Lyrik formen.

Die Ausstellung, zu der ein begleitender Katalog erschienen ist, vereint Fotografien, die zwischen 2008 und 2011 unter anderem in Andalusien, Liverpool, New York und Papua entstanden sind. Neben den gerahmten Abstraktionen gibt es aus den besuchten Städten Fotos mit Straßenszenen zu sehen. Zu größeren Clustern montiert fügen sie sich mit den von Ulrike Lauber aufgenommenen und über I-Pods abrufbaren Straßengeräuschen zu einem sinnlichen und dreidimensionalen Eindruck vom pulsierenden Leben in den Metropolen. Matthias Reichelt

Galerie Mönch, Reichsstr. 52; bis 26.1., Do/Fr 15–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr

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