Kultur : Fauler Fluss

Die Liste bleibt Basels wichtigste Nebenmesse.

Max Glauner

Liste - The Young Art Fair, so hieß bislang die bei Weitem erfolgreichste Nebenmesse der Art Basel. Das young ist nun zur 18. Ausgabe gestrichen. Hinter dem Relaunch steht ein neues Cooperate Design, und die strengen Zugangsregeln für Galerien sind lockerer: Auch Positionen von über vierzigjährigen Künstlern werden nun zugelassen, sofern sie nicht nebenan am Messeplatz vertreten sind.

Sonst aber ist alles beim Alten geblieben. 66 Galerien nehmen an der Messe in der ehemaligen Warteckbrauerei teil, acht davon zum ersten Mal. Die Galerie Silberkuppe ( Berlin) zum Beispiel. Sie zeigt den New Yorker Maler Leidy Churchman, dessen Serie „Lazy River" von 13 kleinen, abstrakten Ölbildern (17 500 Euro) im oberen Drittel der auf der Liste verlangten Preise lag – und dennoch schnell verkauft war. Sein Animationsvideo „Blood“ von 2013 kostet 4500 Euro und war mit den Bildern auf engem Raum bestens kuratiert. Der Eindruck gewissenhafter Präsentation wiederholte sich beim Gang über die fünf Geschosse. Man gab sich arrivierter, vor allem aber professioneller. Mit der Wirtschaftskrise im Nacken, setzt man zwar auf die traditionelle Ware Malerei und Skulptur. Dennoch sind ein paar mehr Videos als im vergangenen Jahr zu sehen. Trotz der engen Kojen ergeben sich anregende Dialoge: Während etwa bei Limoncello (London) auf Nägel gespannte Gummibänder des Israelis Yonatan Vinitsky (2100–3500 Pfund) geometrische Figuren zeichnen, pendeln drei Metallstangen des Kanadiers Gareth Moore bei Lüttgenmeijer (Berlin) munter als Maulwurfspfeifen auf Betonsockeln („Whistling Sculpture“, 14 000 Euro).

Ausgereift und sicher geben sich die Positionen bei Cinzia Friedlaender (Berlin). Postkonstruktivistische Bildkollagen in mittleren Formaten des 1987 geborenen Briten Stephen Rhodes sind bereits ab 6000 Euro zu haben. Und experimentelle Positionen? Ein Risiko gehen nur wenige ein. Die Berliner Galerie KOW präsentiert das 2003 gegründete St. Petersburger Künstlerkollektiv Chto Delat? / Was tun? mit der aufwendigen Videoinstallation „A Border Musical“ (28 000 Euro). Die Tokioter Galerie Aoyama Meguro setzt auf den Konzept- und Überforderungsperformancekünstler Koki Tanaka, der Japan auf der diesjährigen Venedig Biennale vertritt (Fotoarbeiten um 4000 Euro) Und Christian Siekmeier von Exile (Berlin) bot Tickets für eine Performance des Konzeptkünstlers Martin Kohout für 250 Euro an. Der Shuttlebus zur Aktion war nach drei Messetagen noch nicht ausgebucht. Wie die meisten Galeristen erlebt auch Siekmeier zwar reges Interesse, doch gebremste Kauflaune. Auf der Liste braucht man in diesem Jahr einen längeren Atem.Max Glauner

Liste Basel, bis 16.6.; www.liste.ch

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