Kultur : "Faust": Das Finale: Peter Stein will in Berlin bleiben

R. S.

Peter Stein packt ein. Am Wochenende geht die Berliner Aufführungsserie des "Faust" zu Ende. Hauptdarsteller Bruno Ganz muss zum Finale passen. Er ist erkrankt, und Christian Nickel, der junge Faust, springt noch einmal für ihn ein - wie schon bei der Premiere des 21-stündigen "Faust"-Marathons auf der Expo in Hannover. 22 000 Zuschauer haben seither - in 59 Vorstellungen - den größten Klassiker ganz ungekürzt gesehen. Und immer noch scheidet Steins Inszenierung die Geister: Begeisterten Zuschauerreaktionen stehen kritische Verrisse gegenüber. Das hatte Stein bereits vor der Premiere angekündigt - dass die professionelle Theaterkritik seinen "Faust" ablehnen würde. Das 30-Millionen-Mark-Projekt, finanziert aus Sponsoren- und Steuermitteln, war so oder so eine Singularität in der deutschen Theaterlandschaft. Letzte Station ist nun Wien, wo das "Faust"-Ensemble vom 8. September bis 16. Dezember gastiert. Peter Stein denkt indessen an eine Rückkehr nach Berlin. In der Treptower Arena, seiner "Faust"-Stätte, würde er sich gerne fester niederlassen. Denn Stein macht sich Sorgen um den Zustand des deutschsprachigen Theaters und bietet sich als Retter an. Zu seinen Fürsprechern gehört Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer von den Grünen. Sechs bis acht Millionen Mark aus der Bundeskulturstiftung würden dem früheren Schaubühnen-Chef genügen - nur existiert dieser Fonds noch gar nicht und ist wohl für andere Projekte vorgesehen als die Finanzierung eines weiteren Theaters in Berlin. "Faust" war fast immer ausverkauft, erklärt der Veranstalter. Dagegen wurde Steins Inszenierung des neuen Stücks von Botho Strauß ("Pancomedia") nach nur wenigen Vorstellungen wegen Zuschauermangels abgesetzt. Stein muss nun schnell einpacken: In der "Faust"-Arena steigen nächste Woche schon Love-Parade-Partys.

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