Kultur : FC Literat

Eine WM-Uraufführung in Düsseldorf

Frederik Hanssen

Fußball ist das Gegenteil von Theater. Auf der Bühne wird gefeiert, wer überzeugend in fremde Rollen schlüpft. Wenn dagegen einer auf dem Rasen seine Schauspielkünste vorführt, nennt man das eine „Schwalbe“ – und die ist, nach Meinung von Sportminister Wolfgang Schäuble, so verwerflich wie Doping. Der authentische Spieler ist der Star, nicht der chamäleonhafte Selbstdarsteller. Und die Fußballbegeisterung der Geisteseliten eine Ersatzbefriedigung: Je dekonstruierter die Weltliteratur auf die Bretter kommt, desto größer die Sehnsucht nach der klaren Unterscheidung von Gut und Böse (vulgo: Heim und Gast).

Nun haben Deutschlands Literaten versucht, die Sphären miteinander zu verbinden. „Brot und Spiele“ heißt der Abend im Düsseldorfer Schauspielhaus im Rahmen des Fifa-Kulturprogramms; zur Teilnahme waren ballsportaffine Schriftsteller aufgerufen. Aber Theresia Walser, Tankred Dorst, Lukas Bärfuß und Wilhelm Genazino lieferten erst gar nicht ab, die übrigen zehn Beiträge hat Burkhard Kosminski in 90 Minuten plus Verlängerung zur Nummernrevue zusammengetackert. Was den Dichtern eingefallen ist? Verspieltes natürlich, wie Moritz Rinkes Gotto-Rehakles-Dramolett (das vor zwei Jahren im Tagesspiegel zu lesen war). Aber vieles taugte höchstens zur Kreisliga, wie hingeworfen zwischen zwei Schlucken Bier beim Pokalfinale.

Nach dem Vorspiel ist vor dem Wortspiel bei Albert Ostermeiers Dialog zwischen der Nutte und dem Nr.-1-Keeper, der den Kasten sauber, aber keinen hochkriegen Kahn. Mit Rockband und Chor föhnt Roland Schimmelpfennig seine Angstattacke des Torwarts beim Elfmeter zur „Samba“-Nummer hoch, während Feridun Zaimoglu sein deutsch-türkisches Freundschaftsspiel mit Klischeekalauern der Sechzigerjahre verdribbelt. Eine „Uraufführung“? Mehr als einen Sketch gibt die Schnittmenge zwischen Fußball und Theater nicht her.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben