Kultur : FDP: Die Nachwuchsfrau

Ulrike Fokken

So, wie sie ist, wäre die FDP auch gern: Erfolgreich, attraktiv, kraftvoll. Zu Silvana Koch-Mehrin, selbstständige Unternehmensberaterin und Nachwuchspolitikerin, fallen den Kommentatoren noch mehr Attribute ein, die die liberale Partei auch gern für sich in Anspruch nähme. Die die FDP aber eben nicht so recht zum Ausdruck bringen kann, oder zumindest nicht so deutlich wie ihr Bundesvorstandsmitglied Koch-Mehrin (30). Weswegen die Unternehmerin auch immer wieder als mögliche Kandidatin für einen Spitzenposten gehandelt wird. Kreativ und intelligent ist sie, wendig und zupackend. Vor dreieinhalb Jahren hat sie sich in Brüssel selbständig gemacht und hatte damals zwei Ziele: "Ich will zehn Angestellte und eine Million Euro Umsatz machen." Drei Jahre später hatte sie schon fünf Leute eingestellt und eine halbe Million Euro Umsatz.

Die Idee, die sie mit ihrem Geschäftspartner Frank Schwalba Horth, ehemals für die Grünen im Europa-Parlament, hatte, kommt an: Koch-Mehrin arrangiert Gesprächskreise und Zusammenkünfte zwischen Abgeordneten und Lobbyisten. Dank ihrer guten Verbindungen und ihrer kommunikativen Art erreicht sie, dass sich Menschen trotz verschiedener Sprachen und Kulturen miteinander verständigen können. Noch ein Punkt, der sie als geeignete Kandidatin für die Spitze der FDP erscheinen lässt. Schließlich braucht die Partei dringend eine Moderatorin und eine Identifikationsfigur für die Internet-Generation.

Für die Zeit nach Generalsekretär Guido Westerwelle, der mit 39 Jahren gerade noch jugendlich genug ist, eine mit der Zeit gehende Partei zu verkörpern. Aber nicht mehr jung genug, um den Aufbruch zu signalisieren, für den er einst angetreten ist. Westerwelles Attacken auf die 68er-Generation haben sich abgeschliffen und werden mit der Zeit noch unwichtiger werden. Die nachfolgenden Generationen kann er nicht angreifen, da die Partei sie braucht, und die ältere Genscher-Generation braucht die FDP als identitätsstiftendes Element. Koch-Mehrin hat noch einen weiteren Vorzug: Sie ist eine Frau. Lange war das ein Nachteil. Doch jetzt ist es hip, auch junge Frauen in Positionen zu setzen, die Männern vorbehalten schienen.

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